Sonntag, 27. Januar 2013

Erlaubt oder nicht? Knigge für Nachbarn - Kopie vom 27.8.2011

Nachdem ich in letzter Zeit einige Nachbarschaftsstreitereien ausdiskutierte und auch miterlebte, gibt es da eine gewisse Gesetzeshörigkeit, die ich in manchen Fällen für unausreichend und undiplomatisch für ein gutes Miteinander halte. Die meisten zeigten zum Glück im Umfeld eine vorbildliche Einstellung. Trotzdem erlebe ich oft genug, gerade im privaten Umfeld, eine fragwürdige Haltung zu solchen Problemen. Nicht selten auch radikal, stur und mit männlichen Macho-Normen.

Ich verstehe nicht, wieso immer in Gesetzesbücher geguckt wird, um zu wissen, was man in der Gesellschaft darf und was nicht. Dabei bin ich froh in einem Rechtsstaat zu leben, ehrlich! Nur wird es auch manchmal mit dieser "Paragraphenreiterei" so übertrieben, dass dabei gar nicht mit Blick auf die individuellen Umstände und Mitmenschen mitgedacht wird. Diese können von einem noch so guten Gesetzesbuch nicht immer optimal berücksichtigt werden. Als Philosoph könnte man sagen, dass man mit einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstand mit Verständnis, Rücksicht und Selbstkritik keine Gesetze bräuchte.
Im Fall einer geplanten Party, bei der man schon im Vorfeld einen gewissen Störfaktor mit Lärmbelästigung einkalkulieren kann, liegt es für mich nahe, sich mit den Nachbarn rechtzeitig kurz zu schließen. Am besten noch, bevor man sich festlegt, die Nachbarn anhauen: "Hey, pass auf, ich plane da eine Geburtstagsfeier/eine Gartenparty, die spät und etwas laut werden könnte. Wie sieht's aus, gibt es da eurerseits Einwände?". Wenn der Nachbar dann zum Beispiel sagt: "Oh, am Wochenende übernachtet unser Enkelkind bei uns und der muss in dem Alter früh ins Bett. Das Wochenende darauf sind wir wieder alleine!" und man noch keine Einladungen verschickt hat, wäre die Kommunikation optimal verlaufen. Um auf sicher zu gehen, lädt man sie aus reiner Kulanz und Geste mit ein, quasi zur Besänftigung. Wenn schon Lärm ist, kann er dafür mit etwas Essen und Trinken entschädigt werden. Und selbst wenn nicht, dann zeigte man zumindest den guten Willen und die Bereitschaft, es vis-a-vis und a priori zu klären, statt posthum und advocatus-a-advocatus (also über Anwälte).


Falls an dem guten Willen mancher Nachbarn gezweifelt wird, kann ich nur sagen, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Das Verständnis und die Rücksicht müssen bei einigen auch vorher von einem selbst demonstriert werden. Ich hatte vorher auch tyrannische Nachbarn, die wenig beliebt waren, vom Gartenzaun alles und jeden auf noch so kleine Belanglosigkeiten hin ankeiften (sogar spielende Kinder) und sich auch an völlig ordnungsgemäß parkende Autos vergriffen (ich hatte eines Morgens mal Erde auf der Motorhaube...). Und auch die konnte ich mit meinen Prinzipien nach ein paar Jahren "besänftigen".
Als ich eines Tages in einem der letzten harten Winter wieder Schnee in der Einfahrt schippte und dabei mich nicht weiter drum kümmerte, dass einzelne kleine Schneebröckchen (mehr waren es nicht) durch den Zaun auf Nachbars Grundstück purzelten, war die Ka*** wieder am dampfen und ich hörte die alte Frau wieder krächzen und keifen. Ich ignorierte sie aber nicht und fing auch nicht an, hirnlos zurück zu feuern (wie es meine Freunde und Eltern raten), sondern nahm sie in ihrem Anliegen ernst und fragte, in ganz sachlichem und freundlichem Ton nach, warum das denn so schlimm sei. In ihrer Überraschung musste sie sich erst mal wieder fangen, bis ich den Grund genannt bekam, dass die Salzreste den Baumwurzeln schaden könnten. Das klingt zwar ziemlich vorgeschoben, doch das interessiert mich auch nicht näher. "Meinetwegen" dachte ich. Das ist ja alles noch im Rahmen des tolerierbaren, worauf man Rücksicht erwarten bzw. entgegenbringen kann, wenn es denn argumentativ entgegengebracht wird. Geht doch!
Auf jeden Fall merkten die Nachbarn mit der Zeit, dass man mit mir auch reden kann. Seither waren die richtig freundlich zu mir, hielten Smalltalk und waren sogar nett zu meinen Besuchern. Ziel erreicht!
Manche halten es dagegen für die vorbildlichste Reaktion, in solchen Situationen zu sagen "Leck mich am Arsch!" oder einfach auf stur zu schalten und zu ignorieren. Damit fächert man dem Feuer aber nur noch mehr Sauerstoff zu. Irgendwann rollen Gartenzwerg-Köpfe, fliegen Farbbeutel an die Hauswände und Reifen werden aufgeschlitzt. Dann rollen, nach anfänglich harter, cooler Fassade und falschem Stolz, die Tränen und irgendwelche Gartenzaunschlichter (womöglich von RTL2) rücken an. Dieser Stolz und diese verständnislose Unnachgiebigkeit - lächerlich.


Also egal, ob man mit seiner persönlichen Absprache scheitert oder nicht: man sollte es auf jeden Fall probieren, um seinen guten Willen für gute Nachbarschaft zu demonstrieren und anzubieten. Die meisten werden sicher froh darum sein und auf diese zwischennachbarliche Kommunikation künftig einsteigen.
Rücksicht, Verständnis > Paragraphen. Letzteres hilft nur noch, wenn zuvor beide Parteien im Dialog endgültig scheiterten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen