Sonntag, 27. Januar 2013

Ein dröges Making of meiner Erkenntnisse (Aphorismen) - Tagebuch vom 3.5.2012

...oder Dinge, die niemanden interessieren. Nach dem gestrigen Radiointerview mit einem Philosophen weiß ich aber, dass auch Andere eine ganze Stunde über ebenso belanglose Themen reden/schreiben können.

Vorwort:
Jahrelang beschäftigte ich mich immer wieder mit scheinbar völlig lapidaren, trivialen Begriffsdefinitionen. Im aktuellen Fall: "Was ist Weisheit? Wo ist der Unterschied zur Intelligenz?".
Nach etlichen Jahren an reflektierter Alltagserfahrung komme ich in vielen der Themen, die mich beschäftigen, auf endgültige Ergebnis, die ich seither nicht widerlegen oder weiter korrigieren konnte. Ich schaffe es oft, die ausschweifenden Kontemplationen auf zentrale, fundamentale Definitionen in nur wenigen Sätzen zu komprimieren. Unabhängig von dem, was im Duden oder auf Wikipedia steht. Oftmals deckt sich das aber auch, wie meine Definition von "Philosophie" als "Liebe zur Wahrheit" oder etwa "Was ist Zeit?" (bloß dass ich bestreite, dass Zeitreisen möglich sind - dazu gibt es ein ausführliches Diskussionsthema in meinem Stammforum). Da Wörter nur abstrakt sind und deren Bedeutungen im Grunde beliebig wählbar sind, muss ich aus den Erfahrungen auch herausfiltern, was ursprünglich hinter diesen Wörtern für eine Bedeutung gedacht war und welche am sinnvollsten in der Gegenwart ist.
Jetzt stellt sich die Frage, warum ich diesen langen Pfad, den ganzen Müßiggang mit dieser theoretischen Materie auf mich nehme, wenn ich am Ende etwas erhalte, das ich ebenso gut in wenigen Minuten auf Wikipedia oder im Duden erhalten könnte.


Grund 1: Ich behaupte, es ist nicht dasselbe, es nachzulesen und es selber zu begreifen! Es ist genau so, als wenn ich in Physik ohne Verständnis der Materie eine Formel zur Berechnung einer Aufgabe nachschlage. Ich kenne dann die Formel und deren Definition, doch automatisch verstehen tue ich diese deshalb nicht. Die gesamte Herleitung, das ganze Ausmaß der Bedeutung in verschiedenen Alltagskontexten begreift man nur durch ein eigenes Studium des Physikstoffs. Man kann Physik ebenso studieren wie das Leben in diversen Aspekten. 

Grund 2: Man nutzt täglich viele Wörter, ohne sich bewusst zu sein, was sie eigentlich ab initio bedeuten. Damals wusste ich z.B. nicht mal eine Antwort auf die Frage "Was bedeutet "relativ" nun eigentlich?". Wie an unserer Uni oft gesagt wird, versteht man etwas erst, wenn man es auch anderen erklären kann. Oft stecken mehr Bedeutungen in den Wörtern als man glaubt. In der Werbung hört man oft "ergonomisch", ohne dass die meisten wissen, was das bedeutet. Wie oft wurden Menschen als "dumm" abgestempelt, die eigentlich nur naiv, unvernünftig, ungebildet, charakterlich zurückgeblieben oder nur in einer bestimmten Art und Weise dumm waren? Was hat "asozial" für einen Bedeutungswandel von "dissozial" hin zu "arm/unkultiviert" hin erfahren? Es ist also etwas Haarspalterei und die "Liebe zur Wahrheit", die mich mit so trivialen Dingen lange beschäftigen lässt. Es beugt Missverständnissen im Sprachgebrauch ebenso vor wie Vorurteilen Mitmenschen gegenüber. Nachvollziehen können es vermutlich nur wenige Menschen.

Grund 3: Es ist auf jeden Fall interessanter als Fußball und manch andere Dinge wie Mechanik (also von wegen, ich hätte nichts "Besseres" zu tun) ;-).
Eigentlich bringt es deshalb wenig, wenn ich meine Erkenntnisse so wiedergebe wie hier. Genauso wenig, wie es etwas bringt, Philosophie nur zu studieren, in dem man sich das Wissen daraus nur aus Büchern oder Enzyklopädien aneignet. Ich tue es trotzdem, also meine letzten Schliffe in der Frage "Was ist Weisheit und was genau der Unterschied zur Intelligenz?" posten. Auch wenn das Ergebnis unfassbar banal klingt.



Dazu ein paar alte, passende Zitate:
# Menschen, die Philosophie nur aus Büchern erlangten, sind für mich keine wahren Philosophen, nur Gelehrte. A propos: Passendes dazu im Brockhaus Philosophie unter "Eklektizismus". Andererseits lässt sich kaum etwas verarbeiten, das nicht schon von anderswo aufgegriffen wurde. "Die Prämisse jeder auf Rationalismus beruhenden Konklusion ist Empirismus". Also ist absolut autotelische Philosophie sowieso nicht möglich.

 

# Erkenntnisse erfolgen nur von innen/einem selbst heraus, aus der entsprechenden eigenen Erfahrungen und Reflexionen. -> Empathie. Rein theoretische, akademische Philosophie ist quasi die Theorie des Lebens, in der der Erkenntnisgewinn und die Verarbeitung von Erfahrungen vorgekaut werden. Selber Erfahrungen zu reflektieren ist wie Aufräumen des Informations-Chaos im Kopf; kategorisieren, definieren, tausend Gedanken auf eine kleine Formulierung treffend zu komprimieren, aus Gedankenfragmenten wie mit Klötzchen ein Weltbild aufbauen,...
 

# Philosophie ist eine brotlose Kunst geworden. Dabei vergisst man, dass sie in den meisten Bereichen die Basis war, sogar in der Mathematik. In Recht, Politik und Wirtschaft sowieso. Wer hätte gedacht, dass Mathe auch in gewisser Weise als Geisteswissenschaft gelten kann? Definitionen und Beweis-Theorie säumen diesen Raum. Zahlen haben zwar einen Wert, aber ohne Kontext keine Eigenbedeutung, Wörter dagegen keinen Wert, aber auch ohne Kontext eine Eigenbedeutung.
 

# Das Abitur ist oft wie ein geistiges Korsett. Kaum ist man aus der Schule raus, lässt die reflexive Haltung nach. (auch in Punkto Inspiration, Kreativität und Eigeninitiative. Alles extrinsisch motiviert?)
 

# Die intellektuelle Welt kann eine genauso schwachsinnige Scheinwelt sein wie die anderen auch. Sei es als Realitätsflucht oder als Schutz vor Minderwertigkeitskomplexen.
 

# Trivialweisheiten sind für die alltägliche Realität die bedeutendsten Weisheiten! Auf dieser Basis baut vieles auf. In Mathe ist man auch erst gut, wenn man die Grundrechenarten richtig versteht.
 

# Intelligenz sorgt für Kurzsicht und Weisheit für Weitsicht. -> Mein Beispiel mit dem Mathematiker/Physiker, der mit der Nase vor dem Bild die Rasterpunkte im Durchmesser, Dicke, Logarithmus densitometrischer Farbdichte, Abstand und Moirefrequenz misst, während der Philosoph das Gesamtbild aus Entfernung betrachtet, das dabei entsteht, und alle inhaltlichen Aspekte auswertet. (Das hier wurde mir oft in Physik bewusst, als ich Fächer dieser Art mit meinen persönlichen Stärken verglich. In empirischen Bereichen muss man nichts erst nachmessen, um etwas "zu Tode zu analysieren" zu können. Wegen dieser leichteren Alltagsanwendbarkeit mag ich Physik und Mathe nicht so sehr wie Soziologie und Psychologie).

 
Endgültige Definition für Weisheit: Weisheit ist die Summe reflektierter Erfahrung - Punkt.
Jemand mit viel Erfahrung, der diese kaum reflektiert, kann genauso weise sein wie jemand mit wenig Erfahrung, der diese gründlich reflektierte. Darum sagt man auch "Alter schützt vor Torheit nicht". 

Gegenteil: Naivität (ist mir eben erst aufgefallen. "Unweise" passte als Gegenteil nicht wirklich). Und wie grenzt man nun Reife von Weisheit ab? Auch da habe ich schon Kriterien für. Ich behaupte mal, Reife zeigt sich mehr im Verhalten nach außen.

Eine spontane, stümperhafte Definition von Intelligenz: Intelligenz ist die Leistungsfähigkeit aus Kurzzeitgedächtniskapazität, schnellem, zielorientiertem und flexiblem Denken. Aus diesen Eigenschaften können sich verschiedene Arten unabhängig voneinander ausprägen (Kreativität, Logik, visuelle, mathematische, sprachliche, musikalische, handwerkliche, etc.).
Gegenteil: Dummheit.
(Viele nennen mich zu Unrecht "intelligent". Weisheit konnte ich mir immerhin mit kleinem "Arbeitsspeicher" und "langsamer Leitung" anreichern).
 


Schlusswort:
Ich habe meine Definition nicht mit Wiki oder Duden verglichen. Etwaige Unterschiede schließe ich nicht aus. Für mich sind diese hier aber im Alltagsgebrauch wasserdicht genug. Oftmals existieren in verschiedenen Wissenschaften verschiedene Definitionen parallel zueinander. Von daher halb so wild. Zumindest kann ich diese Wörter nun nach dieser ausgiebigen Wortklauberei in bewusster Abgrenzung zueinander und mit klarerem Bewusstsein verwenden :-).

Kommentare:

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  2. Interessant mal wieder, wie sich meine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen in diversen Bereichen viele Jahre später mit wissenschaftlichen Ergebnissen decken. Logischerweise werden philosphische Laien nicht ernst genommen. Natürlich muss heute alles Wissenschaftlich sein, egal ob es wahr ist oder nicht. Das fördert nicht den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Ich höre vor allem junge Studentinnen mit "Ich habe es aber so in einem Buch gelesen / ...in einer Vorlesung gelernt!!" argumentieren, als ob sie mit einer enormen Hörigkeit an den Lippen der akademischen Autoritäten kleben und keine eigene Weisheit nutzen. Auch das meinte ich mit Eklektizismus.

    Auch in diesem Artikel fand ich Bestätigung meines Denkens:
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/hirnforschung-intelligenz-geteilt-durch-drei-1.1555608
    Nur würde ich es noch etwas ändern. Statt "Unsere Daten zeigen drei Faktoren, die Erfolg im Test erklären: Kurzzeitgedächtnis, logisches Denken und verbale Fähigkeiten" würde ich unbedingt noch (räumliches) Vorstellungsvermögen und Einfallsreichtum/Kreativität hinzufügen!
    Intelligenz ist dann wie die Rechenleistung eines Computers, die sich an der Schnelligkeit im Vergleich misst, dabei in manchen Aufgaben auf Grafikkarten (räumliches Vorstellungsvermögen) zugreifen muss und zum Abspeichern der Rechenwege einen Arbeitsspeicher (Kurzzeitgedächtnis) benötigt. Ein Vergleich wie in der Bionik.

    Bildungstests testen hingegen die Festplattenkapazität (Langzeitgedächtnis), die von Faktoren wie Interesse, Motivation, Training, Begabung/Veranlagung, Wiederholungen abhängt. Und die Abgrenzung von Intelligenz und Weisheit steht bereits oben. Doch bevor irgendjemand anfängt über diese Bedeutungen nachzudenken, wird von Wunderkindern mit einem IQ von 133 berichtet:
    http://www.sueddeutsche.de/bildung/junge-aus-grossbritannien-dreijaehriger-hat-iq-von-1.1589659
    Ich finde die Leistungen des Kindes irgendwie schon beängstigend.

    IQ-Ergebnisse werden wie unantastbare Maßeinheiten wie cm, kg, Lux, Minuten, etc. hingenommen. Wie so ein IQ-Ergebnis zustandekommt, darüber spricht man kaum. Ich nahm 2003 im Internet aus Neugier an teils mehr, teils weniger vielversprechenden IQ-Tests teil. Die von Psychologen und Instituten entwickelt wurden, sprachen mir einen IQ von 130-140 aus, andere sogar von 150-160. Ein Ergebnis, dass ich - gemessen an vielen Hochbegabten und auch an dieser recht großen Varianz und variierender Aufgabentypen - infrage stelle. Und auch deswegen, weil es vor 10 Jahren unter Promis in Mode war, sich mit einem hohen IQ zu rühmen, weshalb diese Tests wieder und wieder geübt wurden, um den Wert hochzupushen.

    Ich bin da ehrlich zu mir selbst, da mich immer nur die Wahrheit interessiert, egal wie ich dabei wegkomme. Ich verfüge bestensfalls über leicht überdurchschnittliche Rechenleistung, dafür haufenweise Defizite (vor allem "EQ", Talente, div. Alltags-Skills). Für Weisheit und dem Erkennensprozess benötige ich aber auch keinen schnellen Rechner, sondern nur viel Zeit, um in mich zu gehen und zu reflektieren - teils mit Input aus News und Lektüren.

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