Montag, 20. Januar 2014

Plädoyer gegen die Unterflächlichkeit



  • Zu glauben, es käme ausschließlich auf die inneren Werte an. - Obwohl ausschließlich der äußere Eindruck (inkl. Ausstrahlung!) im Alltag entscheidet und neue Mitmenschen sich nach nichts anderem einordnen lassen.
  • Zu glauben, die Anzahl der Kontakte („Freunde“) auf FB würde gar nichts aussagen. - Obwohl es sehr viel aussagt. Zwar nicht alles und eindeutig, dennoch als ein relativ aussagekräftiges Indiz/Indikator.
  • Zu glauben, jeder müsse nur er selbst sein, um Akzeptanz und Anschluss zu finden. Obwohl doch einige Menschen mit ihrem eigenen Typ nur auf Ablehnung stoßen und sich anpassen müssen, um Ideale und Leitbilder ausreichend zu erfüllen.
  • Zu glauben, alle Menschen seien gleich viel wert. - Wie könnte die Natur dann jemals funktionieren, wenn dem so wäre? Egal welchen Standpunkt man wählt, Menschen sind in allen Aspekten und Bereichen unterschiedlich viel Wert.
  • Zu glauben, man müsse oder könne gar jeden Menschen und jede Unart gleichermaßen tolerieren (meist mit einem latenten Opportunismus). Obwohl jeder eigene Präferenzen setzt, nach denen er mehr oder weniger selektiert.
    -> Bei all solchen Dingen fängt die Heuchelei an, die ich meine.


Die Verleugnung der menschlichen Natur ist der erste Schritt zur Heuchelei und Doppelmoral.
Man kann unsere Natur vielleicht verleugnen. Dadurch verschwindet sie aber nicht. Die Realität ist unter den Gesichtspunkten unserer Natur aus heutiger verwöhnter Sicht hart, für manche zu unerträglich, um sie sich einzugestehen oder zu akzeptieren. Die Kultur, die wir als Antonym zur Natur schufen, als Schutzschild für die Schwächeren, als Puffer für zu große Ungleichheit in unserem System, diese ethische, moralische und juristische Dimension der Kultur schafft die Natur noch lange nicht ab. Sie koexistieren lediglich!

Ich will kein Plädoyer gegen diese Kultur halten, keineswegs. Denn ich profitiere wie alle von diesem Schutzschild, vom Puffer, vom Auffangnetz, da jeder mal darauf angewiesen sein kann. Man kann sich unsere Natur - all unseren primitiven, oberflächlichen, egoistischen, hedonistischen und trivialen Atavismus - dennoch eingestehen. Wie man sich dann zwischen diesem koexistenten Antagonismus entscheidet, steht schließlich auf einem ganz anderen Blatt. 

Ohne der Erkenntnis darüber, welch atavistische Mechanismen unsere Gesellschaft steuern oder beeinflussen, geraten wir viel öfter in Gewissenskonflikte, Zerrissenheiten und laufen mit dem Kopf vor die Wand. Wie beim Versuch als biologisch/sozial Benachteiligte den menschlichen Atavismus mit Ethik zu bekehren oder die dominierenden Regeln von Angebot und Nachfrage außer Kraft zu setzen.
Ethik ist immer Willkür, die nicht selten auch opportunistisch oder eitel und selbstgerecht getragen wird, eh sie dann mit der eigenen Natur hier und da in Konflikt gerät.
Bitte, behaltet die Ideale bei, aber werdet euch der ungeschminkten Realität über uns selbst bewusst. Zum Beispiel wenn wir uns für neue Klamnotten entscheiden oder Kontakte aussuchen.


Sekundär zum Thema ein paar Gedanken:
>>Philanthropen müssen offensichtlich zu den biologisch Begünstigteren gehören, die die ganze Wahrheit über uns entweder nicht kennen, nicht kennen wollen oder nicht ertragen können und infolge dessen verdrängen. Und dann, wie alle von sich selbst ausgehend, über andere vom hohen Ross herab beurteilen. Jeder kann leider nur aus seinem eigenen Erfahrungshorizont urteilen, wodurch sich Verwöhntheit immer und relational ergibt. <<





Edit:


Kommentare:

  1. P.S.:
    Ich spreche immer verallgemeinert im Singular, wie hier bei "der" menshclichen Natur. Ich erwähnte nicht extra, dass diese von Individuum zu Individuum variiert, sowohl in Art als auch Ausmaß.

    Was mir weiterhin in den Sinn kam, ist der Eindruck, dass diese kulturellen Ideale mehr von anderen erwartet werden als bei sich selbst dann tatsächlich umgesetzt werden. Zum Beispiel bei Ratschlägen ("Soll ich mir ein Smartphone kaufen, um den Anschluss nicht zu verlieren?" - "Das ist doch Mitläufertum, tu das nicht bloß aus Gruppenzwang"). Da werden Ideale vor Pragmatik gesetzt. Merkt man die Nachteile durch Vernachlässigung der gesellschaftlichen Regeln am eigenen Leib, tendiert man eher dazu, die Pragmatik vor minderer Ideale walten zu lassen.

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  2. Frischer Bildkommentar-Nachschub von 9GAG. Kritische Denker gibt es offenbar genug. In Blogs wie diesem hier erkenne ich des öfteren eine gewisse geistige Verwandtschaft zu typischen Film- und Spiel-Schurken à la Agent Smith, Albert Wesker oder Darth Bane - dazu die beiden oben hinzueditierten Bilder von 9GAG, die zum Thema passen.

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