Mein Kommentar zu diesem Artikel:
http://www.taz.de/!111889/#send-comment
Ich will im Folgenden nur die Sicht aus einem anderen gesellschaftlichen Standpunkt zu verstehen geben. Man kann es immer aus verschiedenen Punkten betrachten. In vielen Punkten stimme ich dem Artikel sonst zu. Natürlich muss sich Frau nicht auf jeden Flirt einlassen. Welche Frau tut das schon, wenn sie nicht will? Welcher Mann erwartet denn das? Aber...
Es sind nur selten die Männer, die Frauen auf ihr Äußeres reduzieren. Im Internet scheinen sie nur zu dominieren, weil diese dauernd ihre Kommentare zu Frauenbildern abgeben. Tatsache ist: viel häufiger reduzieren sich junge Frauen selbst auf ihr Äußeres. Nach Studien (u.A. laut Wikipedia) betreiben 59 % der jungen Frauen Sexting (http://de.wikipedia.org/wiki/Sexting#Verbreitung). Mir kommt es manchmal mit Dunkelziffer wie 80 % vor. Über die Hälfte der Frauen haben meiner Einschätzung nach schon mal freizügige (halbnackt) Fotos von sich irgendwo im Netz gepostet. Viele junge Frauen kleiden sich öffentlich freizügig oder bewusst sehr erotisch/sexy. In speziellen Fällen noch Duckface-Fotos, Germanies Next Topmodel, Modewahn hoch 10 – und da sollen WIR die Frauen auf ihr Äußeres reduzieren?
Überhaupt, was heißt hier „wir“? Ich fühle mich nur aufgrund meines Geschlechts von Ihrer Kritik angesprochen, obwohl ich weiß, dass man mich nicht in eine Schublade mit allen anderen stecken kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie das beabsichtigen. Frauen sind ja auch nicht alle so pervers (mittlerweile scheinen Frauen in Perversion zu überwiegen! – Charlotte Rouche-Generation – oft sogar noch pornografischer nach meinen Erfahrungen).
Ich selber gehöre zu den viel zu distanzierten Männern, die aus Paranoia wegen solchen Aufschreien sogar Blickkontakte vermeiden. Und aus Paranoia vor der Egozentrik und sozialen Verwöhntheit der modernen Frau. Häufig reden sich Frauen ein, ein Mann, der bloß mal herübersieht, würde gleich flirten. Frauen sind viel sublimer in Gestik und Körpersprache als Männer darin subtil sind. Außerdem können Männer auch keine Gedanken lesen und viele subtilen Zeichen nicht so gut erkennen wie Frauen – da muss mehr ÜBERdeutlicher Klartext kommen! Es gibt daher viel zu viele Missverständnisse zwischen Männern und Frauen.
Komischerweise sind derart zurückhaltende Männer wie ich viel unbeliebter und erfolgloser als Männer, die offensiv und dreist beim Flirten rangehen. Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl ist immer wichtig bei Männern und genau das haben Machos i.d.R (leider!).
Und dann wäre noch ein Punkt, an dem ein gewaltiges Missverständnis vorliegt. Was heißt hier „reduzieren“? In meinem Empfinden und dem vieler, vieler junger, sozial-privat erfolgloser Männer (die, die sich mit dem sog. „Forever Alone-Meme“ identifizieren) stehen gut aussehende Frauen in der privat-sozialen Hierarchie weit oben. Meist zeigen Frauen deshalb auch entsprechendes Selbstbewusstsein, wenn nicht sogar Arroganz. Die Kaste der „armen Würstchen“, die von begehrten Frauen nicht mal mit dem Ar*** (pardon) angeguckt werden, sind nur die Stiefellecker, die hintenan Schlange stehen. Von „reduzieren“ kann da keinesfalls die Rede sein. Wer das doch tut, zeigt eine enorme soziale Verwöhntheit, weil der Stellenwert dieser Attribute geringer geschätzt wird und zu selbstverständlich geworden ist. Das Gegenteil von Neid und Ressentiments – zwischen solchen männlichen Außenseitern und sozial erfolgreichen Frauen liegt eine so gewaltige Kluft, dass Verständnis füreinander unmöglich erscheint.
Gut aussehende Frauen sind meistens begehrt, beliebt, können fast alles im Privaten haben, kriegen vieles geschenkt und das wiegt für das Ego und das Seelenheil deutlich schwerer als beruflicher Erfolg. Außerdem höre ich überall Frauen eingestehen, dass Frauen so sehr bevorteilt werden - bei Bewerbungen, in Schule und Beruf -, dass Männer es sind, die tatsächlich benachteiligt werden. Aber eben nicht überall. Man kann immer Einzelfälle gegeneinander halten und auch nicht alle eines Geschlechts, sagen wir 3,5 Milliarden Menschen, in eine Schublade stecken. Insgesamt steht mein Gesellschaftsbild aber so, wie ich es im ganzen Kommentar darstellte. Frau müsste man(n) sein.
Willkommen auf meinem kleinen Gelegenheits-Blog, auf den ich allerlei Standpunkte und Ansichten zu diversen gesellschaftlichen Themen ablade - zum Leid oder zur Freud' meiner Leser.
Samstag, 2. März 2013
Donnerstag, 7. Februar 2013
Wissenschaft, die Ansehen schafft
Gemessen an der Leseleistung und dem guten Zahlen- und Begriffsgedächtnis vieler junger Menschen verzage ich manches Mal und frage mich, ob ich nicht besser Soziologie oder Psychologie hätte studieren sollen. Denn dort glaube ich eine ziemliche Begabung zu haben, was Logik, Auffassungsgabe und Analytik angeht.
Ich glaube, ich wäre in Soziologie genauso frustriert gewesen. Wegen der, wie ich es manchmal empfinde, Borniertheit und Beschränktheit der Wissenschaft. In den Vorlesungen zu Soziologie und Psychologie langweile ich mich zu Tode und ärgere mich teils über das oberflächliche Niveau. Würde ich dann in der Klausur zur quantitativen Datenerhebung Aspekte nennen müssen, die die Aussagekräftigkeit von Umfragemethoden relativieren, fallen mir einige mehr ein, die nicht in der Vorlesung genannt wurden. Diese würden dann aber vermutlich als falsch gewertet, weil sie nicht in der Vorlesung genannt wurden, obwohl sie aber in der Praxis zutreffen. Wenn ich mich auf irgendeinen Namen aus der Forschung berufen könnte, auf ein Buch von irgendeinem mit akademischen Titel, dann wäre meine Antwort eher akzeptiert. Von mir, einem Studenten, nicht. Es zählen Statistiken, Titel und Schall und Rauch. So ein Freidenker wie ich passt vielleicht besser mit Grashalm im Mund auf eine Wiese, unter einem Apfelbaum liegend und mit Blick gen Himmel am Träumen. Aus wirtschaftlicher und beruflicher Sicht bin - noch! - ich ein Nichtsnutz. Da sind, wie man auf Berufsmessen sieht, nur technische, juristische und naturwissenschaftliche Qualitäten gefragt.
Zitat von Süddeutsche Zeitung - über Schavans Doktorarbeit:
"Das Argument des Doktorvaters, die Arbeit habe dem damaligen Stand der akademischen Arbeit entsprochen, hilft da nicht weiter: Denn zum einen verschwanden die kleinen und oft nur lose gedachten Promotionen, mit denen die deutschen Universitäten über Jahrhunderte hatten leben können, in den sechziger und frühen siebziger Jahren, als sich die Geisteswissenschaften in Methoden teilten und mit dem Mittel formaler Korrektheit den Naturwissenschaften nacheiferten."
Aus solchen Textblöcken ergießt sich meine Kritik ein wenig konkreter. Wie will man mit naturwissenschaftlichen Methoden - traditionell bestehend aus: Beobachtung, Fragestellung, Hypothese, Experiment, Schlussfolgerung, Verwerfung/Annahme der Hypothese - Geisteswissenschaften betreiben? Ist das Nacheifern anderer Disziplinen notwendig, um sich den Titel einer Wissenschaft in der Gesellschaft verdient zu machen? Ist die Gesellschaft in ihrer Wahrnehmung als Außenstehende und Naturwissenschaftsgläubige (Homo Faber!) mit daran schuld, dass alles mathematisierbar und physikalisch-klingend sein muss, um als wissenschaftlich zu gelten?
Etwas ausgeholt:
Viele geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Bereiche sind mittlerweile in der Tat durchzogen mit Termini aus der Physik und Mathematik, seit sich die Geisteswissenschaften in der technisierten Welt hinsichtlich ihrer Bedeutung auf einem absteigenden Ast befinden. Man könnte hier viele konkrete Beispiele aufzählen. Ich las in diesem Zusammenhang mal einen Text darüber, wie sehr die heutige Gesellschaft für sämtliche Probleme die Lösung in der Technik, vornehmlich den Ingenieurwissenschaften, sucht.
Deshalb hat auch ein Philosophieprofessor bei den Umweltingenieuren einen Bogen dahin geschlagen, dass Umweltbelange nicht einzig ein technisch lösbares Problem seien. Gerade in Bezug auf Wachstumsprobleme, Lebensstilen und Politik müsse auch eine philosophisch orientierte Lösung eine Rolle spielen. Doch die meisten jungen Männer der Ingenieursbranche waren von Philosophie und anderen Geisteswissenschaften nicht sehr begeistert, schliefen in solchen Vorlesungen ein und machten sich über die Belanglosigkeit dieser Disziplinen lustig (obwohl sie von gesellschaftlichen Strömungen indirekt über die Politik auch betroffen sein werden - Beispiel erneuerbares Energiegesetz).
Wie will man Geisteswissenschaften naturwissenschaftlich betreiben? Der freidenkende Geist, der sich aller Denkmethoden und Sichtweisen mit allen Mitteln bedienen kann, um neue Fragestellungen auf den Tisch zu werfen oder Lösungen im Denken selbst zu finden, eingeengt auf schematische Vorgehensweisen und vorgelegte Schablonen - das passt einfach nicht zusammen! Mit den (natur)wissenschaftlichen Ansprüchen werden Geisteswissenschaften, die eigentlich vom Freidenkertum leben, nach bestimmten Maßstäben zur realitätsfremden, monokausalen Fachidiotie in gewisser Weise eingeschränkt.
Will man Schavans Thesen in ihrer Doktorarbeit "Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" etwa mit der Bruteforce-Methode, direktem Beweis oder vollständigen Induktion beweisen? Es bleiben zum Beweis in der Nicht-Naturwissenschaft oftmals einzig Statistiken und Umfragen. Diese aber haben eine so hohe Varianz, so dass sie, ebenso wie die Funktionsgraphen der heute stark neoliberalen Betriebswirtschaftslehre, viel zu hohe Korrelationseffizienten aufweisen, um als ansatzweise naturwissenschaftlich-reproduzierbar zu gelten, und deshalb an der komplexen Realität zerbrechen. Das muss aber kein Grund sein, denen die Wissenschaftlichkeit ganz abzusprechen. Erst recht nicht, um sie als bedeutungslos dastehen zu lassen.
Mir fehlt da ein wenig das Verständnis, weil ich die Entwicklungen gesellschaftlich multilateral beeinflusst und einem gewissen eitlen Tand folgen sehe. Besonders Pädagogik und andere Gesellschaftswissenschaften sind so "weich", dass es bei Hypothesen und Modellen bleibt resp. bleiben kann, welche sogar parallel zu gegensätzlichen Modellen bestehen können - obwohl dies den strengen, objektivierbaren und reproduzierbaren Anforderungen der Naturwissenschaft widerspricht. Vieles in der Welt bleibt nun mal relativierbar, hypothetisch, subjektiv oder eines von vielen und teils gegenläufigen Modellen zur Erklärung der Welt aus Standpunkten und eigenen Erklärungsmethoden.
Manchmal möchte ich am liebsten auf den Tisch klettern, die Seiten solcher normierten Doktorarbeiten rausreissen und laut rufen: "Oh captain, my captain! Freiheit des Geistes für die Wissenschaft!"
Ich glaube, ich wäre in Soziologie genauso frustriert gewesen. Wegen der, wie ich es manchmal empfinde, Borniertheit und Beschränktheit der Wissenschaft. In den Vorlesungen zu Soziologie und Psychologie langweile ich mich zu Tode und ärgere mich teils über das oberflächliche Niveau. Würde ich dann in der Klausur zur quantitativen Datenerhebung Aspekte nennen müssen, die die Aussagekräftigkeit von Umfragemethoden relativieren, fallen mir einige mehr ein, die nicht in der Vorlesung genannt wurden. Diese würden dann aber vermutlich als falsch gewertet, weil sie nicht in der Vorlesung genannt wurden, obwohl sie aber in der Praxis zutreffen. Wenn ich mich auf irgendeinen Namen aus der Forschung berufen könnte, auf ein Buch von irgendeinem mit akademischen Titel, dann wäre meine Antwort eher akzeptiert. Von mir, einem Studenten, nicht. Es zählen Statistiken, Titel und Schall und Rauch. So ein Freidenker wie ich passt vielleicht besser mit Grashalm im Mund auf eine Wiese, unter einem Apfelbaum liegend und mit Blick gen Himmel am Träumen. Aus wirtschaftlicher und beruflicher Sicht bin - noch! - ich ein Nichtsnutz. Da sind, wie man auf Berufsmessen sieht, nur technische, juristische und naturwissenschaftliche Qualitäten gefragt.
Zitat von Süddeutsche Zeitung - über Schavans Doktorarbeit:
"Das Argument des Doktorvaters, die Arbeit habe dem damaligen Stand der akademischen Arbeit entsprochen, hilft da nicht weiter: Denn zum einen verschwanden die kleinen und oft nur lose gedachten Promotionen, mit denen die deutschen Universitäten über Jahrhunderte hatten leben können, in den sechziger und frühen siebziger Jahren, als sich die Geisteswissenschaften in Methoden teilten und mit dem Mittel formaler Korrektheit den Naturwissenschaften nacheiferten."
Aus solchen Textblöcken ergießt sich meine Kritik ein wenig konkreter. Wie will man mit naturwissenschaftlichen Methoden - traditionell bestehend aus: Beobachtung, Fragestellung, Hypothese, Experiment, Schlussfolgerung, Verwerfung/Annahme der Hypothese - Geisteswissenschaften betreiben? Ist das Nacheifern anderer Disziplinen notwendig, um sich den Titel einer Wissenschaft in der Gesellschaft verdient zu machen? Ist die Gesellschaft in ihrer Wahrnehmung als Außenstehende und Naturwissenschaftsgläubige (Homo Faber!) mit daran schuld, dass alles mathematisierbar und physikalisch-klingend sein muss, um als wissenschaftlich zu gelten?
Etwas ausgeholt:
Viele geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Bereiche sind mittlerweile in der Tat durchzogen mit Termini aus der Physik und Mathematik, seit sich die Geisteswissenschaften in der technisierten Welt hinsichtlich ihrer Bedeutung auf einem absteigenden Ast befinden. Man könnte hier viele konkrete Beispiele aufzählen. Ich las in diesem Zusammenhang mal einen Text darüber, wie sehr die heutige Gesellschaft für sämtliche Probleme die Lösung in der Technik, vornehmlich den Ingenieurwissenschaften, sucht.
Deshalb hat auch ein Philosophieprofessor bei den Umweltingenieuren einen Bogen dahin geschlagen, dass Umweltbelange nicht einzig ein technisch lösbares Problem seien. Gerade in Bezug auf Wachstumsprobleme, Lebensstilen und Politik müsse auch eine philosophisch orientierte Lösung eine Rolle spielen. Doch die meisten jungen Männer der Ingenieursbranche waren von Philosophie und anderen Geisteswissenschaften nicht sehr begeistert, schliefen in solchen Vorlesungen ein und machten sich über die Belanglosigkeit dieser Disziplinen lustig (obwohl sie von gesellschaftlichen Strömungen indirekt über die Politik auch betroffen sein werden - Beispiel erneuerbares Energiegesetz).
Wie will man Geisteswissenschaften naturwissenschaftlich betreiben? Der freidenkende Geist, der sich aller Denkmethoden und Sichtweisen mit allen Mitteln bedienen kann, um neue Fragestellungen auf den Tisch zu werfen oder Lösungen im Denken selbst zu finden, eingeengt auf schematische Vorgehensweisen und vorgelegte Schablonen - das passt einfach nicht zusammen! Mit den (natur)wissenschaftlichen Ansprüchen werden Geisteswissenschaften, die eigentlich vom Freidenkertum leben, nach bestimmten Maßstäben zur realitätsfremden, monokausalen Fachidiotie in gewisser Weise eingeschränkt.
Will man Schavans Thesen in ihrer Doktorarbeit "Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" etwa mit der Bruteforce-Methode, direktem Beweis oder vollständigen Induktion beweisen? Es bleiben zum Beweis in der Nicht-Naturwissenschaft oftmals einzig Statistiken und Umfragen. Diese aber haben eine so hohe Varianz, so dass sie, ebenso wie die Funktionsgraphen der heute stark neoliberalen Betriebswirtschaftslehre, viel zu hohe Korrelationseffizienten aufweisen, um als ansatzweise naturwissenschaftlich-reproduzierbar zu gelten, und deshalb an der komplexen Realität zerbrechen. Das muss aber kein Grund sein, denen die Wissenschaftlichkeit ganz abzusprechen. Erst recht nicht, um sie als bedeutungslos dastehen zu lassen.
Mir fehlt da ein wenig das Verständnis, weil ich die Entwicklungen gesellschaftlich multilateral beeinflusst und einem gewissen eitlen Tand folgen sehe. Besonders Pädagogik und andere Gesellschaftswissenschaften sind so "weich", dass es bei Hypothesen und Modellen bleibt resp. bleiben kann, welche sogar parallel zu gegensätzlichen Modellen bestehen können - obwohl dies den strengen, objektivierbaren und reproduzierbaren Anforderungen der Naturwissenschaft widerspricht. Vieles in der Welt bleibt nun mal relativierbar, hypothetisch, subjektiv oder eines von vielen und teils gegenläufigen Modellen zur Erklärung der Welt aus Standpunkten und eigenen Erklärungsmethoden.
Manchmal möchte ich am liebsten auf den Tisch klettern, die Seiten solcher normierten Doktorarbeiten rausreissen und laut rufen: "Oh captain, my captain! Freiheit des Geistes für die Wissenschaft!"
Mittwoch, 30. Januar 2013
# aufschrei - mit geschlossenen Ohren, aber offener Bluse
Diese ganze Sexismus-Debatte macht mich wütend. Diese einfach nicht zu beachten ist derzeit schwer. Man siehe nur diese > Liste der SZ und wie einseitig diese Artikel ausgewählt sind. Von Objektivität, geschweige denn Neutralität keine Spur. Nicht ein einziger Artikel zur Gegenposition, obwohl mir Blogs wie > diese weitaus rationaler und weitsichtiger erscheinen.
Kritik wie > diese ist hingegen über Jahrzehnte einer der Gründe gewesen, weshalb ich eine solch krampfhaft-verbissene, paranoide Distanz zu Frauen zu einem Teil meiner Persönlichkeit zementierte, wodurch es mir schwer fällt, persönliche Nähe zu Frauen aufzubauen. Lieber bin ich auf der sicheren Seite als mich in diese würdelose, unehrenhafte Täterrolle des hirnlosen, sabbernden, unbeherrschten Mannes ordnen zu lassen, womöglich nur wegen irgendeiner spontanen, unbedachten Geste. Lieber bin ich asexuell wie ein Eisblock, denn meine Würde ist mir mehr wert. Über dieses Gelingen, meine angebliche Ausnahmerolle für mich zur Normalität werden zu lassen, bin ich gewisser Weise sogar froh.
Was manche Frauen verlangen, ist blinder, massengetriebener, widersprüchlicher, heuchlerischer, unlogischer und unverschämter Unsinn, der einseitiges Verständnis nur der Männer gegenüber Frauen verlangt. Sie versuchen die Geschlechter gleicher zu stellen, als sie es eigentlich sind. Sie erwarten sexuelles Begehren und Respekt auf Augenhöhe zugleich, trotz Fokus ihrer Freizügigkeit auf andere Regionen. Denn jetzt beanspruchen Frauen das Recht für sich, tragen zu dürfen, was sie wollen, gleich wie freizügig, ohne dafür einen falschen Blick in der Öffentlichkeit ernten zu müssen. Okay, die sexy Männer dürfen gucken, langweilige Männer aber nicht!
Wie soll ein Mann ein Mann sein, seiner Rolle in der Natur gerecht werden, überhaupt Distanz zum anderen Geschlecht überwinden können? Männer können nach wie vor keine Gedanken lesen! Männer sehen nicht, welche Männer von den feinen Damen auserkoren sind, auf deren Sexappeal eingehen zu dürfen. Das ist und bleibt von Natur aus ein Trial and Error-System auf Risiko. Entweder man wagt es, eine Linie der Distanz zu überwinden und mit männertypischem Ungelenk sich zu nähern (wenn Frauen das besser können, dann sollten sie den ersten Schritt machen) oder man lässt es sein und sorgt für eine Apartheit der Geschlechter. Wenn diese ansatzweise so konsequent wäre wie bei mir, also so konsequent, wie es Himmelreich und viele anderen Feministinnen dieser Tage fordern, dann haben wir bald keine Eheprobleme mehr, dafür ein Nachwuchsproblem. Womit ich eigentlich kein Problem hätte!
Nichts desto trotz bin ich durchaus imstande, diese Debatte trotz Kritik ernst zu nehmen. In beruflichem Bereich verstehe ich in manchen Fällen die Berechtigung dieser alten neuen Bewegung. In Bezug auf die Piratenpartei z.B. kann ich den Fahnenführern dieser Bewegung nur zustimmen. Was Brüderle angeht... mein Gott, das bisschen Kokettieren, wegen einem Handkuss und einem noch dezent kecken Kompliment ("Sie könnten einen Dirndl ausfüllen") gleich eine Sexismusdebatte vom Zaun zu reissen ist doch an den Haaren herbeigezogen. Vor allem, wenn man sieht, wie der Stern-Redakteur sich nun einerseits in einem Artikel darüber auslässt, dass Journalistinnen kein "Freiwild" sind, obwohl diese andererseits mit sexuellem Kalkül eingesetzt sind:
"Auch Redaktionen setzen Frauen strategisch ein
Zur vollen Wahrheit gehört allerdings auch, dass in manchen Redaktionen junge, attraktive Frauen strategisch eingesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um einen anderen, weiblichen Blick. Sondern darum, eine größere Nähe zu Politikern herzustellen, eine anders geartete Nähe. Offenherzigkeit gegen tiefes Dekolleté und klimpernde Wimpern. So einfach ist das manchmal wirklich, leider. Und auch das ist Sexismus, nur anders herum. Ein Spiel mit den Trieben." (Stern.de)
Also wenn wir wieder überall diese Diskriminierung beklagen, sollten man dann nicht die ganze Realität mit einbeziehen und Probleme ehrlich und kritisch von beiden Seiten aus beleuchten? Ein Blog zu weiter gefassten Gender-Problemen folgt noch. Der soll noch tiefgründiger werden und fasst Gedanken und Erkenntnisse auf, die allgemeiner sind.
Kritik wie > diese ist hingegen über Jahrzehnte einer der Gründe gewesen, weshalb ich eine solch krampfhaft-verbissene, paranoide Distanz zu Frauen zu einem Teil meiner Persönlichkeit zementierte, wodurch es mir schwer fällt, persönliche Nähe zu Frauen aufzubauen. Lieber bin ich auf der sicheren Seite als mich in diese würdelose, unehrenhafte Täterrolle des hirnlosen, sabbernden, unbeherrschten Mannes ordnen zu lassen, womöglich nur wegen irgendeiner spontanen, unbedachten Geste. Lieber bin ich asexuell wie ein Eisblock, denn meine Würde ist mir mehr wert. Über dieses Gelingen, meine angebliche Ausnahmerolle für mich zur Normalität werden zu lassen, bin ich gewisser Weise sogar froh.
Was manche Frauen verlangen, ist blinder, massengetriebener, widersprüchlicher, heuchlerischer, unlogischer und unverschämter Unsinn, der einseitiges Verständnis nur der Männer gegenüber Frauen verlangt. Sie versuchen die Geschlechter gleicher zu stellen, als sie es eigentlich sind. Sie erwarten sexuelles Begehren und Respekt auf Augenhöhe zugleich, trotz Fokus ihrer Freizügigkeit auf andere Regionen. Denn jetzt beanspruchen Frauen das Recht für sich, tragen zu dürfen, was sie wollen, gleich wie freizügig, ohne dafür einen falschen Blick in der Öffentlichkeit ernten zu müssen. Okay, die sexy Männer dürfen gucken, langweilige Männer aber nicht!
Wie soll ein Mann ein Mann sein, seiner Rolle in der Natur gerecht werden, überhaupt Distanz zum anderen Geschlecht überwinden können? Männer können nach wie vor keine Gedanken lesen! Männer sehen nicht, welche Männer von den feinen Damen auserkoren sind, auf deren Sexappeal eingehen zu dürfen. Das ist und bleibt von Natur aus ein Trial and Error-System auf Risiko. Entweder man wagt es, eine Linie der Distanz zu überwinden und mit männertypischem Ungelenk sich zu nähern (wenn Frauen das besser können, dann sollten sie den ersten Schritt machen) oder man lässt es sein und sorgt für eine Apartheit der Geschlechter. Wenn diese ansatzweise so konsequent wäre wie bei mir, also so konsequent, wie es Himmelreich und viele anderen Feministinnen dieser Tage fordern, dann haben wir bald keine Eheprobleme mehr, dafür ein Nachwuchsproblem. Womit ich eigentlich kein Problem hätte!
Nichts desto trotz bin ich durchaus imstande, diese Debatte trotz Kritik ernst zu nehmen. In beruflichem Bereich verstehe ich in manchen Fällen die Berechtigung dieser alten neuen Bewegung. In Bezug auf die Piratenpartei z.B. kann ich den Fahnenführern dieser Bewegung nur zustimmen. Was Brüderle angeht... mein Gott, das bisschen Kokettieren, wegen einem Handkuss und einem noch dezent kecken Kompliment ("Sie könnten einen Dirndl ausfüllen") gleich eine Sexismusdebatte vom Zaun zu reissen ist doch an den Haaren herbeigezogen. Vor allem, wenn man sieht, wie der Stern-Redakteur sich nun einerseits in einem Artikel darüber auslässt, dass Journalistinnen kein "Freiwild" sind, obwohl diese andererseits mit sexuellem Kalkül eingesetzt sind:
"Auch Redaktionen setzen Frauen strategisch ein
Zur vollen Wahrheit gehört allerdings auch, dass in manchen Redaktionen junge, attraktive Frauen strategisch eingesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um einen anderen, weiblichen Blick. Sondern darum, eine größere Nähe zu Politikern herzustellen, eine anders geartete Nähe. Offenherzigkeit gegen tiefes Dekolleté und klimpernde Wimpern. So einfach ist das manchmal wirklich, leider. Und auch das ist Sexismus, nur anders herum. Ein Spiel mit den Trieben." (Stern.de)
Also wenn wir wieder überall diese Diskriminierung beklagen, sollten man dann nicht die ganze Realität mit einbeziehen und Probleme ehrlich und kritisch von beiden Seiten aus beleuchten? Ein Blog zu weiter gefassten Gender-Problemen folgt noch. Der soll noch tiefgründiger werden und fasst Gedanken und Erkenntnisse auf, die allgemeiner sind.
Sonntag, 27. Januar 2013
Für unsere Kinder nur das Beste! - Kopie vom 19.9.2012
- Vorgeschichte 1:
Vor einiger Zeit kamen in den Nachrichten erschreckende Berichte über die Grausamkeiten eines Schulbusfahrers in der Region. Es kam zu einem Eklat, zu einem Aufruhr in der Region. Der Busfahrer hatte zwei Erstklässler eine Haltestelle zu spät aussteigen lassen, 10 Km entfernt im Nachbardorf. Und das mit der profanen Ausrede, dass die Schulkinder nicht auf den "Bitte halten"-Knopf gedrückt hätten. Die völlig verstörten und schluchzenden Kinder mussten von den Eltern daraufhin abgeholt und psychologisch betreut werden. Den Busfahrer freilich erwarten nun rechtliche Konsequenzen. Man prüfe sorgfältig, was gegen ihn vorgebracht werden kann.
-> So viel zu den berichteten Fakten. Die armen Kinder! Meine Gedanken sind bei ihnen. Der Busfahrer dürfte froh sein können, dass ihm dies nicht in den USA passiert ist. Denn dort hätte er nicht nur seinen Posten verloren, sondern hätte sicher Schmerzensgeld zahlen müssen, da die Kinder für den Rest des Lebens unter dem Trauma zu leben hätten. Dazu Behandlungskosten und die entgangenen Löhne wegen Berufsunfähigkeit, etc.
Was mich dann irgendwie nachdenklich stimmte, war in den Tagen ein Nachrichtenbericht, der diesem Busfahrerbericht direkt folgte. Die Polizei führte bundesweit Verkehrskontrollen durch, bei denen sie feststellte, dass ein erheblicher Teil der Eltern ihre Kinder, die sie zur Schule brachten und abholten, nicht vorschriftsmäßig sicherten bzw. anschnallten oder gar die Tempolimits und Verkehrsregeln (Parkverbote bei Feuerwehreinfahrten an Schulen) nicht einhielten.
-> So viel zu den berichteten Fakten. Eine Empörung darüber blieb hingegen aus. (...)
Nun, ist ja auch logisch. Wenn jemand die Schuld für etwas trifft, dann in der Regel die anderen. Wenn irgendwo ein Stau ist, sind die anderen um einen herum dafür die Ursache. Wenn irgendwo zu viele Menschenmassen sich gegenseitig erdrücken, sind die Planer des Events dafür der Grund, nicht die Menschen. Sich selbst nimmt man heutzutage aus der Verantwortung und der Mündigkeit heraus und betrachtet sich isoliert von der gesamten Kausalität; als freies, privilegiertes Individuum und nicht als Teil der Masse.
- Vorgeschichte 2:
Wo wir gerade beim Verkehr sind: Der Stadtverkehr hat, wie der gesamte Verkehr, vor allem durch die individuelle Motorisierung sehr stark zugenommen, was seit Jahren jedem bekannt sein dürfte. In der Infrastruktur kommt es überall zu Problemen und Herausforderungen. Der morgendliche Stadtverkehr besteht Berichten zufolge zu einem Großteil aus den Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen.
Der ADAC, einige Zeitungen und andere Medienformate warnten vor gut zwei Jahren davor, Kinder überall mit dem Auto hinzubringen und abzuholen. Denn dies würde den Kindern nie mit der Region vertraut machen, nicht mit den Gefahren und Regeln des Verkehrs vertraut machen und sie sprichwörtlich zu sehr in Watte packen. Doch Eltern halten oft mit dem Argument dagegen, dass der Stadtverkehr durch diese starke Zunahme zu gefährlich für ihre Kinder geworden sei. Ich erlebe immer wieder, dass Kinder sogar für nur 500 Meter mit dem Elterntaxi chauffiert werden.
Es scheint mir schon eine besondere, gar selten anzutreffende zerebrale Leistung zu sein, hierin einen Widersprich zu erkennen. Wenn Eltern wollen, dass der Verkehr nicht mehr so stark und gefährlich ist, wäre es dann nicht ein Gegenschritt, seine Kinder mit dem Schulbus oder dem Fahrrad zur Schule zu schicken, wie es in meiner Kindheit selbstverständlich war? Dann muss man auch nicht die Feuerwehrzufahrten vor Schulen zuparken, um sein Kind möglichst vor dem Klassenzimmer abzusetzen. So ist es doch eher wie ein Teufelskreis. Diese Unlogik sehe ich ähnlich parallel hierbei: > Meme.
- Vorgeschichte 3:
Die Entwicklung medizinischer Versorgung und hygienischer und gesundheitlicher Standards (in Supermärkten, Wirtschaft, Beruf, Gastronomie, zuhause) der letzten 60 Jahre ist bemerkenswert und erfreulich. Viele Krankheiten gingen zurück, lassen sich besser behandeln und die Lebenserwartung ist gestiegen, hipp hipp hurra.
Demgegenüber verzeichnen Krankenkassen mehr Stress bedingte Krankheiten und Autoimmunkrankheiten. Letztere haben nicht nur auf dem Papier zugenommen, sondern auch real und medizinisch diagnostizierbar. Allergien sind die bekanntesten Vertreter, auch diverse chronische Krankheiten gehören dazu. In den letzten Jahren widmete sich die Forschung der Ursache dieser Autoimmunkrankheiten.
Das Prinzip dahinter ist: das Immunsystem bekämpft den eigenen Körper. Immer deutlicher wurde der hohe Hygienestandard als Ursache für diese Art Amoklauf des Immunsystems. Es gilt als erwiesen, dass Kinder, die auf dem Land aufwuchsen, so gut wie nie Allergien bekommen. Man ist dem genauen Auslöser dahinter schon nah auf der Spur und weiß, dass es ein Stoff ist, den man in Schweine- und Kuhställen findet. Ich stelle mir das Immunsystem wie eine Firewall vor, das man mit Informationen füttern bzw. programmieren muss. Erhält es zu wenig Input, sucht es sich eigenständig etwas Neues zu bekämpfen.
Weiter will ich das Medizinische nicht vertiefen, da ich ja für gewöhnlich über soziologische und philosophische Hintergründe schreibe. Mich beschäftigt in dem Zusammenhang, wie ich die Einstellung vieler moderner Eltern erlebe. Eltern, die es sicherlich nur zu gut mit ihren Kindern meinen, ihnen damit aber letztlich doch keinen Gefallen erweisen, wenn sie ihre Kinder vor allen Gefahren in der Natur beschützen wollen, indem sie sie davor verbannen. Ein Kind muss in der Natur, im Dreck spielen! Es muss die Gefahren erkunden und quasi durch "trial und error" lernen. Unser Gehirn lernt am besten wie beim Anfassen der heissen Herdplatte nach dem Motto: "Jedes Aua macht schlauer". - Damit will ich aber nicht sagen, dass man vor der heissen Herdplatte nicht warnen soll und die Aufsichtspflicht vernachlässigen sollte. Nicht, dass man mir nachher was Falsches unterstellt ;-).
Ich könnte mit Geschichten dieser Art fortfahren. Doch warum habe ich einige Absätze bisher so klein geschrieben? Weil ich den Eindruck habe, dass man solche Ansichten heutzutage nicht überall laut sagen sollte. Besonders, wenn es um Erziehung geht, scheint Kritik an dem Schmusekurs der heutigen Pädagogik, besser gesagt an der Anwendung in mancher elterlichen Praxis, ein rotes Tuch zu sein. Meine Kritik dazu betrifft zum einen die materielle Verwöhntheit und zum anderen die pädagogischen Samthandschuhe, die die Kinder in Watte packen.
Der materielle Überfluss in unserer Gesellschaft zog sich als einer meiner geläufigen Aspekte wie ein roter Faden durch meine letzten Blogs und diverse Beiträge. So zum Beispiel auch hier: > Bild 1, > Bild 2.
Ich denke, diese Bilder spiegeln, wenn auch zum Teil übertrieben, im Prinzip meine Botschaft wider, so dass ich mir meinen Kommentar dazu erspare.
Zur immateriellen Verwöhntheit mache ich es mir ebenfalls einfach und verlinke einen Artikel, den ich gestern fand. Der Autor spricht mir einfach aus der Seele und sagt im Grunde schon alles:
> Besser eine schlechte Kindheit, als gar nicht erwachsen werden
Ihr könnt euch den Artikel übrigens auch anhören. Auch hier sagt ein Bild wieder mehr als tausend Worte: > Bild 3.
Meine Eltern, die mir schon manches Mal in meiner Kindheit eine leichte Ohrfeige verpasst haben, gehören dagegen nach Ansichten einiger bisheriger Gesprächspartner ins Gefängnis (und das nicht bloß so daher gesagt). Die EU hat das Schlagen von Kindern in der Tat unter Strafe gestellt. Das ist auch gut so! Ich bin kein Verfechter der körperlichen Züchtigung in Schulen oder daheim. Mit zu viel Strenge schießt man ebenfalls über das gewollte Ziel hinaus. Wenn aber ein ganz leichter Klapps auf den Hintern schon in der heutigen Anwendung der Gesetze zu einer Anzeige der Eltern führen kann, verstehe ich die Welt nicht mehr. Gilt dann nicht ebenso ein freundschaftlicher Klapps auf die Schulter als Gewalttat (von der Intention mal abgesehen)? Schon das Lautwerden gegenüber dem Kinde gilt heute als verpönt. Oftmals ist dies vielleicht ein Zeichen von Unbeherrschtheit und pädagogischer Einfallslosigkeit, aber ist es deswegen automatisch und ausnahmslos in jeder Situation und in jeder Form unangebracht?
Ich und viele andere Menschen der älteren Generation stehen auf mal als grausame und barbarische Monster oder Rabeneltern da. Einige Eltern scheinen Angst davor zu haben, gleiches Schicksal zu erleiden und geben deshalb alles, um ja nicht als schlechte Eltern dazustehen. Einige trauen sich wohl nicht, gegen den Strom zu schwimmen und damit schlimmstenfalls als altmodische und schlechte Eltern geächtet zu werden. Es schlich sich eine latente Angst unter die Bevölkerung davor, zu viel Strenge in der Erziehung zu zeigen und das Kind nicht angemessen zu versorgen (materiell, hygienisch, medizinisch, sozial). Eltern wollen letztlich das Beste für ihre Kinder und übersehen dabei, dass zu viel Gutes und zu wenig Strenge den Kindern dabei eher schaden kann. Gegenteiliges gibt es ja leider, wie man oft hört und liest, auch zur Genüge.
Update:
> Sinkende Geburtenzahlen
"Berufstätige Frauen entscheiden sich demnach lieber gegen als für
Kinder - weil sie befürchten müssen, als Rabenmutter verunglimpft zu
werden. Paare leben lieber ein entspanntes Leben mit vielen Hobbys, als
entnervt um Krippenplätze rangeln zu müssen. Die Folge ist, dass die
Wiegen leer bleiben."
Sind die heutigen jungen Chefs denn auch, in Analogie dazu, nicht mehr fähig, alleine ein Unternehmen zu führen und müssen deshalb ominöse Unternehmensberatergruppen oder alterfahrene Mitarbeiter als heimliche Soufleure konsultieren? Nun gut, was die Kinderzahlen angeht, so kann es mich ja nur freuen. Es gibt ohnehin zu viele Menschen auf der Welt. Da sind die sozialen Kassen das kleinere Problem.
Die Staaten und der Umweltschutz - ein Kommentar zum Rio de Janeiro-Gipfel - Kopie vom 20.6.2012
Wenn ich regelmäßig Nachrichten lese, kriege ich manchmal ein Grummeln
im Bauch. Da seien zum Beispiel Merkels Aushebelung der Demokratie für
eine marktorientierte Weltwirtschaftspolitik an den Parlamenten vorbei
(erneut wurde sie vom Bundesverfassungsgericht dafür gerügt), die
Stellung der Ratingagenturen, Banken, Börse, Lobbies, die ständigen
Amnestien für die USA, Politik zugunsten der Wohlhabenderen und nicht
zuletzt die angebliche Umweltpolitik, die gar keine ist.
Man liest vom bevorstehenden Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro. Alles schon unterzeichnet, ja natürlich, wir schützen ja alle die Umwelt, wir geloben, sie noch mehr zu schützen und Umwelt und Wachstum in Einklang zu bringen ("grünes Wachstum" - erkennt an dieser Stelle bereits jemand einen nicht vereinbaren Widerspruch?), unterzeichnen und fertig der Wisch. Zurück zur Wirtschaftskriese! Man kann das alles wohl als eine Farce bezeichnen, als eine abgehalfterte Posse zur Beschwichtigung der Ökoheinis, die wohl die wirklichen Prioritäten der Menschheit verkennen - oder so in etwa.
Seit Jahrzehnten des westlichen Wohlstands ist Wachstum eine unantastbare Grundvoraussetzung geworden, die scheinbar nicht in Frage gestellt werden darf. Viele Ökonomen zweifeln nicht daran, dass grenzenloses Wachstum möglich ist, seit es von einigen früheren Ökonomen propagiert wurde. Die gegenwärtigen Effizienz-Bestrebungen der Green Economy können das vermeintliche, prophezeite Ende* irgendwie immer weiter hinauszögern, so dass man sich dem Anschein nach nicht weiter sorgen muss. Auch die Konsistenz-Strategie tut ihr Übriges mit Rückbauen und Recycling, um mehr Wachstum... pardon, mehr Umweltschutz zu gewährleisten. Und die Suffizienz-... bitte was? Was ist denn das wieder?
Seit Jahrzehnten, in denen der Erfolg der Weltwirtschaft auf unsere freie Marktwirtschaft und Demokratie zurückgeführt wird, erschöpft sich der Umweltschutz hingegen praktisch in der Effizienz- und Konsistenz-Strategie - soweit es für Firmen erschwinglich ist -, in CO2-Zertifikatehandel und noch einigen lustigen Projekten, die nichts als plakativer Image-Aktionismus sind.
Wenn es auf politischem Paket und in den Medien ernsthaft um Natur geht, wird in die Atmosphäre geschaut, zum Ozonloch, zu den parts per million an Treibhausgasen, Emissionen, Umweltplaketten, Bio- und Ökosiegeln auf neuen und besseren Produkten, die es allein deshalb wert sind, sie zu kaufen.
Seit Jahrzehnten, in denen Kapitalismus und Neoliberalismus vorherrschen, wird erfolgreich indoktriniert, Wachstum sei mit Umweltzielen vereinbar und lasse sich in dem drei Säulen-Modell aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt unterbringen. Denn die Umweltingenieure, Umwelttechniker, das Prinzip der Nachhaltigkeit, regenerative Energien und die ganzen Ökoprodukte und Klimaabkommen werden es schon richten.
Doch was ist mit der Umwelt unter der Atmosphäre, mit der Natur auf unserer Erde? Da lautet seit Jahrzehnten die Devise: wir schützen diese Umwelt freilich auch - zumindest soweit wir sie übrig lassen! In welchem Maß wir diese nicht verplanen und verbauen, spielt hingegen keine Rolle. Und genau da liegt der Hund begraben. Welche Natur wollen wir noch schützen, wenn im Zuge des Wachstums alles zugebaut oder in der Landschaft zerschnitten wird?
Ständiges Wachstum durch Wirtschaft und Bevölkerung geht zwangsläufig auch mit regionalem Expandieren einher; Rückbauen ist nämlich eine unzureichende und unwirtschaftliche Scheinlösung. Wenn man sich die Flächennutzungspläne seiner Region oder seines Bundeslandes ansieht und mal recherchiert, in welchem Tempo neue Flächen zugebaut werden und in den letzten Jahrzehnten wurden, wird man mein dominierendes Anliegen an diesem Thema sicher verstehen (Stichwort: Grünflächenschwund).
Und vielleicht wird man auch zu begreifen anfangen, dass unendliches Wachstum auf einem Planeten mit endlicher Fläche, endlichem Raum der Atmosphäre, endlichen Ressourcen und auch endlicher Physiologie der regenerativen Energien grundsätzlich unmöglich ist. Ich persönlich bezweifle sogar, dass endloses Wachstum in der Wirtschafts- und Sozialpolitik möglich ist.
Also, vielleicht doch diesen sonderbaren Suffizienz-Ansatz von oben in Erwägung ziehen? Ist es nicht eher sonderbar, dass dieser Begriff unter den drei genannten, zusammenhängenden Ansätzen am wenigsten kursiert? Ist vielleicht ein System des Gleichgewichts statt des Wachstums ebenso möglich, mit bestenfalls qualitativem Wachstum? Einige Ökonomen und Philosophen gibt es doch, die derartige Theorien vertreten (Stichworte: Wachstumsrücknahme, Décroissance, Club of Rome, Green New Deal, etc.).
Vielleicht, aber auch nur vielleicht, bringen Umweltgipfel mehr, wenn man in der Gesellschaft vorher mal etwas alternativer über die wahren Probleme und Ursachen nachdenkt und seitens der hiesigen Volksmedien entsprechend über Hintergründe und Zusammenhänge aufklärt. Wahrscheinlicher aber erhofft man sich mehr Resultate, wenn die Wirtschaft wieder läuft und Zeit und Etat für andere Felder am Rande übrig ist...
* Ich möchte noch anmerken, dass ich nicht zu den Apokalyptikern gehöre, die von einem großen "Knall" reden, an dem alles an seine Grenzen stößt und irgendwie auf einmal zusammenbricht und die Menschheit untergeht. Man sieht ja aktuell an Griechenland, dass auch trotz einer eingetretenen Krise irgendwie weitergelebt wird.
Update:
Und wieder ein völlig sinnfreier Klimagipfel. Dieses Mal in Katar. Ich denke, es ist unnötig, das ganze nun noch hoffnungsvoll aufzublähen. Die meisten Menschen haben sicherlich keine Hoffnung mehr in diese Gipfel. Merkel geht es dabei insgeheim sowieso nur um die Verteidigung des Export-Weltmeistertitels in der Welt mit grünen Technologien. Denn vor allem aus China ist die Konkurrenz viel zu groß. Ich behaupte sogar, dass uns China und bald auch Japan auf dem Feld überholen. Doch mit Umweltschutz hat das nur marginal zu tun.
Weshalb ich hier aber wieder was schreibe, ist vor allem ein interessanter Artikel, den ich aus der Zeitung letzter Woche eingescannt habe. Ich dachte immer, ich sei der einzige, der sich mit wachstumskritischen Sichtweisen und Pro-Suffizienz-Prioritäten den Mund fusselig redet (bzw. schreibt). Dass dem nicht so ist, zeigt der folgende Artikel, der wie aus meiner Feder geschrieben scheint. Zumindest an meinem Bildschirm kann man die Schrift lesen^^.
Noch ein paar Karikaturen:
Man liest vom bevorstehenden Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro. Alles schon unterzeichnet, ja natürlich, wir schützen ja alle die Umwelt, wir geloben, sie noch mehr zu schützen und Umwelt und Wachstum in Einklang zu bringen ("grünes Wachstum" - erkennt an dieser Stelle bereits jemand einen nicht vereinbaren Widerspruch?), unterzeichnen und fertig der Wisch. Zurück zur Wirtschaftskriese! Man kann das alles wohl als eine Farce bezeichnen, als eine abgehalfterte Posse zur Beschwichtigung der Ökoheinis, die wohl die wirklichen Prioritäten der Menschheit verkennen - oder so in etwa.
Seit Jahrzehnten des westlichen Wohlstands ist Wachstum eine unantastbare Grundvoraussetzung geworden, die scheinbar nicht in Frage gestellt werden darf. Viele Ökonomen zweifeln nicht daran, dass grenzenloses Wachstum möglich ist, seit es von einigen früheren Ökonomen propagiert wurde. Die gegenwärtigen Effizienz-Bestrebungen der Green Economy können das vermeintliche, prophezeite Ende* irgendwie immer weiter hinauszögern, so dass man sich dem Anschein nach nicht weiter sorgen muss. Auch die Konsistenz-Strategie tut ihr Übriges mit Rückbauen und Recycling, um mehr Wachstum... pardon, mehr Umweltschutz zu gewährleisten. Und die Suffizienz-... bitte was? Was ist denn das wieder?
Seit Jahrzehnten, in denen der Erfolg der Weltwirtschaft auf unsere freie Marktwirtschaft und Demokratie zurückgeführt wird, erschöpft sich der Umweltschutz hingegen praktisch in der Effizienz- und Konsistenz-Strategie - soweit es für Firmen erschwinglich ist -, in CO2-Zertifikatehandel und noch einigen lustigen Projekten, die nichts als plakativer Image-Aktionismus sind.
Wenn es auf politischem Paket und in den Medien ernsthaft um Natur geht, wird in die Atmosphäre geschaut, zum Ozonloch, zu den parts per million an Treibhausgasen, Emissionen, Umweltplaketten, Bio- und Ökosiegeln auf neuen und besseren Produkten, die es allein deshalb wert sind, sie zu kaufen.
Seit Jahrzehnten, in denen Kapitalismus und Neoliberalismus vorherrschen, wird erfolgreich indoktriniert, Wachstum sei mit Umweltzielen vereinbar und lasse sich in dem drei Säulen-Modell aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt unterbringen. Denn die Umweltingenieure, Umwelttechniker, das Prinzip der Nachhaltigkeit, regenerative Energien und die ganzen Ökoprodukte und Klimaabkommen werden es schon richten.
Doch was ist mit der Umwelt unter der Atmosphäre, mit der Natur auf unserer Erde? Da lautet seit Jahrzehnten die Devise: wir schützen diese Umwelt freilich auch - zumindest soweit wir sie übrig lassen! In welchem Maß wir diese nicht verplanen und verbauen, spielt hingegen keine Rolle. Und genau da liegt der Hund begraben. Welche Natur wollen wir noch schützen, wenn im Zuge des Wachstums alles zugebaut oder in der Landschaft zerschnitten wird?
Ständiges Wachstum durch Wirtschaft und Bevölkerung geht zwangsläufig auch mit regionalem Expandieren einher; Rückbauen ist nämlich eine unzureichende und unwirtschaftliche Scheinlösung. Wenn man sich die Flächennutzungspläne seiner Region oder seines Bundeslandes ansieht und mal recherchiert, in welchem Tempo neue Flächen zugebaut werden und in den letzten Jahrzehnten wurden, wird man mein dominierendes Anliegen an diesem Thema sicher verstehen (Stichwort: Grünflächenschwund).
Und vielleicht wird man auch zu begreifen anfangen, dass unendliches Wachstum auf einem Planeten mit endlicher Fläche, endlichem Raum der Atmosphäre, endlichen Ressourcen und auch endlicher Physiologie der regenerativen Energien grundsätzlich unmöglich ist. Ich persönlich bezweifle sogar, dass endloses Wachstum in der Wirtschafts- und Sozialpolitik möglich ist.
Also, vielleicht doch diesen sonderbaren Suffizienz-Ansatz von oben in Erwägung ziehen? Ist es nicht eher sonderbar, dass dieser Begriff unter den drei genannten, zusammenhängenden Ansätzen am wenigsten kursiert? Ist vielleicht ein System des Gleichgewichts statt des Wachstums ebenso möglich, mit bestenfalls qualitativem Wachstum? Einige Ökonomen und Philosophen gibt es doch, die derartige Theorien vertreten (Stichworte: Wachstumsrücknahme, Décroissance, Club of Rome, Green New Deal, etc.).
Vielleicht, aber auch nur vielleicht, bringen Umweltgipfel mehr, wenn man in der Gesellschaft vorher mal etwas alternativer über die wahren Probleme und Ursachen nachdenkt und seitens der hiesigen Volksmedien entsprechend über Hintergründe und Zusammenhänge aufklärt. Wahrscheinlicher aber erhofft man sich mehr Resultate, wenn die Wirtschaft wieder läuft und Zeit und Etat für andere Felder am Rande übrig ist...
* Ich möchte noch anmerken, dass ich nicht zu den Apokalyptikern gehöre, die von einem großen "Knall" reden, an dem alles an seine Grenzen stößt und irgendwie auf einmal zusammenbricht und die Menschheit untergeht. Man sieht ja aktuell an Griechenland, dass auch trotz einer eingetretenen Krise irgendwie weitergelebt wird.
Update:
Und wieder ein völlig sinnfreier Klimagipfel. Dieses Mal in Katar. Ich denke, es ist unnötig, das ganze nun noch hoffnungsvoll aufzublähen. Die meisten Menschen haben sicherlich keine Hoffnung mehr in diese Gipfel. Merkel geht es dabei insgeheim sowieso nur um die Verteidigung des Export-Weltmeistertitels in der Welt mit grünen Technologien. Denn vor allem aus China ist die Konkurrenz viel zu groß. Ich behaupte sogar, dass uns China und bald auch Japan auf dem Feld überholen. Doch mit Umweltschutz hat das nur marginal zu tun.
Weshalb ich hier aber wieder was schreibe, ist vor allem ein interessanter Artikel, den ich aus der Zeitung letzter Woche eingescannt habe. Ich dachte immer, ich sei der einzige, der sich mit wachstumskritischen Sichtweisen und Pro-Suffizienz-Prioritäten den Mund fusselig redet (bzw. schreibt). Dass dem nicht so ist, zeigt der folgende Artikel, der wie aus meiner Feder geschrieben scheint. Zumindest an meinem Bildschirm kann man die Schrift lesen^^.
Noch ein paar Karikaturen:
Sozialer Druck 2.0 - Kopie vom 31.7.2012
"Sozialer Druck", das Wort liegt mir in letzter Zeit wie ein neuer Stein
im Kopf. Weil ich das, was es beschreibt, schon viel länger bewusst
wahrnehme als das Wort selbst. Es ist das, was uns dazu antreibt, Dinge
zu tun, die wir sonst nicht tun würden, wenn sie in unserem Umfeld
niemand anderes täte. Es ist das, was uns in unserem Treiben tief im
Inneren Hoffen macht, damit an der Gesellschaft mehr Teilhabe zu
erlangen. So würde ich es mal salopp ausdrücken. Ein völlig normaler,
soziologischer Einflussfaktor, den es immer schon gab.
Doch die menschliche Kultur unterlag ja schon immer Veränderungen, die oft mit Fortschritt einherging. Der Einfluss der Medien in den letzten Jahrzehnten auf unsere Kultur (und auch auf Wirtschaft, Politik, etc.) ist unvorstellbar. Die Möglichkeiten sind gegenüber den vorherigen Jahrzehnten unfassbar gewachsen. Auf der anderen Seite ist alles irgendwie hektischer geworden.
Vor Jahren schrieb ich schon Erkenntnisse über diesen "Trend" darüber zu klagen, wie wenig Zeit man doch habe (das kennt sicher jeder aus irgendeinem Smalltalk). Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, wie man so etwas behaupten kann, wenn man seine Freizeit selber so verbaut. Denn Musikschule, Sportvereine, Freundestreffen, sonstige Unternehmungen SIND doch Freizeit. Jeder Mensch hat im Grunde gleich viel Zeit: 12 Stunden am Tag, 24 Tage die Woche, 7 Monate im Jahr... oder so ähnlich. Wie wir diese Zeit nutzen, liegt doch auch wesentlich an uns. Das hat auch Meister Hora aus Momo verstanden. Mehr Berechtigung in diesem Klagen verschafft einem dagegen der Zeitmangel durch Beruf, Studium oder dergleichen.
Warum um alles in der Welt müssen wir uns immer mehr Vorhaben im Privatleben aufbürden? Für Konzerte durch ein ganzes Land kutschieren (oder gar in ein anderes Land fliegen und am selben Tag zurück), Musikschule, Malschule, Sportvereine, Fremdsprachenkurse, Freunde, Internet, Gilden, Musik, Filme, Bücher, Konsolen, etc...
Dahingehend hat sich die Gesellschaft einfach verändert; To-Do-Listen immer voller packen, so dass für die richtigen Freunde oder sich selbst kaum Zeit bleibt, wie jüngst bei meinem Freund. Er ist selbstständig, hat privat noch Radiosendungen, nach Feierabend um 20 Uhr noch Französischkurse, Sportverein und immer mit Freunden weg. Und trotzdem will er sich noch mehr Dinge suchen, mit denen er mehr Anschluss bekommt, obwohl er keine Zeit mehr hat.
Hinter dieser Tendenz, die mich gerade irgendwie an Momo erinnert, sehe ich eben genau dieses Wort: "sozialer Druck". Und ich merke seit einiger Zeit, welchen Einfluss vor allem Facebook auf die Menschen in diesem Zusammenhang hat.
Facebook ist wie ein Verführer, das vielen, bestimmten Menschen den Eindruck vermittelt, nicht genug integriert zu sein und nicht genügend Aufmerksamkeit zu bekommen. In der Regel sehen wir immer dann das zur Schau gestellte Reallife der Anderen, wenn wir just alleine sind und an eben solchen Dingen keine Teilhabe haben (können/wollen). Wir sehen immer das, was wir nicht haben und sehen alsdann in vielen Dingen die Möglichkeit, uns damit irgendwie anschließen zu können (wenn bloß um mitzureden oder uptodate zu sein). Dem einen oder anderen mag es obendrein tief im Herzen bekümmern, dass Andere so viele "Freunde" haben, so viele Kommentare bekommen, einfach mehr Aufmerksamkeit und Integration genießen können. Facebook ist potentiell auch ein Neid-Faktor, den es damals zusammen mit allen anderen Medien, die uns und unsere Informationen derart umfassend verbinden, nicht gab und daher auch kalt ließen. Zugleich lassen uns diese virtuellen Schaukästen oft im Dunkeln darüber, wie es wirklich dahinter aussieht, wie viele der Kontakte auch im Reallife bestehen oder wie treu die Internetfreundin tatsächlich ist oder ob sie nicht mit anderen ihrer Freunde dort Dinge austauscht, von denen man nichts mitbekommt. Auch den Paranoia-Einfluss stellte ich oft fest - doch das führt in ein anderes Thema.
Selbstredend ist sozialer Druck auch ohne Internet vorhanden, wenn man z.B. ganz alleine lebt. Sich auf gar nichts einzulassen soll nicht meine vorgestellte Alternative sein. Auch ich habe mir viele private Ziele gesetzt, sehe mich aber auch darin durch das Internetz als ein fester, neuer Bestandteil meines Alltags wesentlich beeinflusst. Das ist ja völlig normal.
So normal, dass man darüber normalerweise gar nicht mehr nachdenkt - bis enge Freunde es nicht mehr schaffen, einem vernünftige Antworten zu schreiben, keine Zeit mehr haben und gesundheitlich Probleme bekommen. So erstrebenswert und lobenswert unsere Vorhaben auch sein mögen, so sollten wir uns spätestens dann daran besinnen und uns Muße für eine Pfeife oder einen Tee auf der Terrasse oder dem eigenen Sofa nehmen. Für ein gesundes Maß an Unproduktivität sollte man sich eigentlich nicht schämen müssen, egal was Andere alles vorweisen können.
Update:
> Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
> Facebook macht unzufrieden
Doch die menschliche Kultur unterlag ja schon immer Veränderungen, die oft mit Fortschritt einherging. Der Einfluss der Medien in den letzten Jahrzehnten auf unsere Kultur (und auch auf Wirtschaft, Politik, etc.) ist unvorstellbar. Die Möglichkeiten sind gegenüber den vorherigen Jahrzehnten unfassbar gewachsen. Auf der anderen Seite ist alles irgendwie hektischer geworden.
Vor Jahren schrieb ich schon Erkenntnisse über diesen "Trend" darüber zu klagen, wie wenig Zeit man doch habe (das kennt sicher jeder aus irgendeinem Smalltalk). Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, wie man so etwas behaupten kann, wenn man seine Freizeit selber so verbaut. Denn Musikschule, Sportvereine, Freundestreffen, sonstige Unternehmungen SIND doch Freizeit. Jeder Mensch hat im Grunde gleich viel Zeit: 12 Stunden am Tag, 24 Tage die Woche, 7 Monate im Jahr... oder so ähnlich. Wie wir diese Zeit nutzen, liegt doch auch wesentlich an uns. Das hat auch Meister Hora aus Momo verstanden. Mehr Berechtigung in diesem Klagen verschafft einem dagegen der Zeitmangel durch Beruf, Studium oder dergleichen.
Warum um alles in der Welt müssen wir uns immer mehr Vorhaben im Privatleben aufbürden? Für Konzerte durch ein ganzes Land kutschieren (oder gar in ein anderes Land fliegen und am selben Tag zurück), Musikschule, Malschule, Sportvereine, Fremdsprachenkurse, Freunde, Internet, Gilden, Musik, Filme, Bücher, Konsolen, etc...
Dahingehend hat sich die Gesellschaft einfach verändert; To-Do-Listen immer voller packen, so dass für die richtigen Freunde oder sich selbst kaum Zeit bleibt, wie jüngst bei meinem Freund. Er ist selbstständig, hat privat noch Radiosendungen, nach Feierabend um 20 Uhr noch Französischkurse, Sportverein und immer mit Freunden weg. Und trotzdem will er sich noch mehr Dinge suchen, mit denen er mehr Anschluss bekommt, obwohl er keine Zeit mehr hat.
Hinter dieser Tendenz, die mich gerade irgendwie an Momo erinnert, sehe ich eben genau dieses Wort: "sozialer Druck". Und ich merke seit einiger Zeit, welchen Einfluss vor allem Facebook auf die Menschen in diesem Zusammenhang hat.
Facebook ist wie ein Verführer, das vielen, bestimmten Menschen den Eindruck vermittelt, nicht genug integriert zu sein und nicht genügend Aufmerksamkeit zu bekommen. In der Regel sehen wir immer dann das zur Schau gestellte Reallife der Anderen, wenn wir just alleine sind und an eben solchen Dingen keine Teilhabe haben (können/wollen). Wir sehen immer das, was wir nicht haben und sehen alsdann in vielen Dingen die Möglichkeit, uns damit irgendwie anschließen zu können (wenn bloß um mitzureden oder uptodate zu sein). Dem einen oder anderen mag es obendrein tief im Herzen bekümmern, dass Andere so viele "Freunde" haben, so viele Kommentare bekommen, einfach mehr Aufmerksamkeit und Integration genießen können. Facebook ist potentiell auch ein Neid-Faktor, den es damals zusammen mit allen anderen Medien, die uns und unsere Informationen derart umfassend verbinden, nicht gab und daher auch kalt ließen. Zugleich lassen uns diese virtuellen Schaukästen oft im Dunkeln darüber, wie es wirklich dahinter aussieht, wie viele der Kontakte auch im Reallife bestehen oder wie treu die Internetfreundin tatsächlich ist oder ob sie nicht mit anderen ihrer Freunde dort Dinge austauscht, von denen man nichts mitbekommt. Auch den Paranoia-Einfluss stellte ich oft fest - doch das führt in ein anderes Thema.
Selbstredend ist sozialer Druck auch ohne Internet vorhanden, wenn man z.B. ganz alleine lebt. Sich auf gar nichts einzulassen soll nicht meine vorgestellte Alternative sein. Auch ich habe mir viele private Ziele gesetzt, sehe mich aber auch darin durch das Internetz als ein fester, neuer Bestandteil meines Alltags wesentlich beeinflusst. Das ist ja völlig normal.
So normal, dass man darüber normalerweise gar nicht mehr nachdenkt - bis enge Freunde es nicht mehr schaffen, einem vernünftige Antworten zu schreiben, keine Zeit mehr haben und gesundheitlich Probleme bekommen. So erstrebenswert und lobenswert unsere Vorhaben auch sein mögen, so sollten wir uns spätestens dann daran besinnen und uns Muße für eine Pfeife oder einen Tee auf der Terrasse oder dem eigenen Sofa nehmen. Für ein gesundes Maß an Unproduktivität sollte man sich eigentlich nicht schämen müssen, egal was Andere alles vorweisen können.
Update:
> Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
> Facebook macht unzufrieden
Wann ist genug genug? - Kopie vom 5.4.2012
Ich stand mal wieder am Fenster und dachte lange nach. Ich habe ein
Jahrzehnt von meinem Gehalt alles angekauft, was ich jemals haben
wollte. Und nun will ich alles, was ich nicht mehr brauche, loswerden.
Ein Unterfangen, das sich aufgrund der Fülle und Auktionslängen einer
Woche auf Ebay über ein Jahr erstreckt.
Damals, so sinnierte ich, hatte ich fast nichts, außer im Wesentlichen einem GameBoy, SNES, Lego und ein paar Kassetten. Der Rest zum Überleben lag in der Wohnung meiner Eltern. Für SNES konnte ich mir keine Spiele leisten. So hatte ich nur zwei Dutzend GameBoy-Spiele, mit denen ich mich jahrelang nonstop beschäftigen konnte. Bekam ich später auch ein paar CDs, liefen die monatelang. Man kennt die Entwicklung sicher, die ich jetzt beschreibe. Man wird mit dem Alter begeisterungsunfähiger, gewiss. Doch ich sehe da noch mehr hinter. Als Azubi konnte ich mir einige aus der Kindheit heiss ersehnte Spieleklassiker nachkaufen, die mich dann aber nicht mehr so lange an der Konsole hielten. Gott sei Dank, denn besonders erstrebenswert finde ich es als Erwachsener nicht mehr, seine Lebenszeit mit ein paar primitiven digitalen Spielen zu verbringen. Und nun mit dem Internet habe ich die Möglichkeit, ALLE Klassiker als Emulatoren zu spielen. Anfangs glich das dem Schlaraffenland, heute mehr als Schrottplatz. Kaum hatte ich Spiel A mal angespielt, war mein Verlangen danach, Spiel B zu spielen, größer. Und so weiter.
So ging es aber nicht nur bei Spieleoldtimern. So geht es bei allem, irgendwie. Mit 50 Gigabyte an Musik wusste ich immer, was ich hören wollte. Heute, mit 200 GB, weiß ich es schon nicht mehr (und über 200 GB werden viele sicherlich lachen!). Wenn man das nicht mehr weiß, liegt es nahe, sich mit dem Neuesten, was man in die Finger bekommt, zu beschäftigen. Also alles, was man noch nicht kennt, bis wieder etwas Neues greifbar wird. Ich stelle daraus fest, dass Überfluss ein wenig oberflächlich, halbherzig und schwerer begeisterungsfähig macht - tendenziell.
Ich glaube, dass als Folge der Wachstumsprämisse unserer westlichen Gesellschaft das Angebot an Medien, Kultur und Waren zu einem Überangebot heranwuchs, durch das wir selber keine persönlichen Befriedigungs-/Sättigungsgrenze mehr kennen. (Wir sind uns nicht mal im Klaren, dass als Folge unseres Systems vorab knapp die Hälfte aller Lebensmittel für den Müll einkalkuliert wird). Natürlich wird auch ohne ein verlockendes Überangebot alles irgendwann uninteressant und will ersetzt werden. In den 80ern konnten "wir" uns auch für viel mehr begeistern als heute, weil man vieles auch noch nicht kannte. Da konnte man, als Kabelfernsehen neu war, stundenlang Teleshopping gucken, während da heute nur noch jeder die Nase rümpft.
Ich glaube aber, dass wir durch den Reiz der Überangebote zum Maximalismus verleitet werden. Kaum hat man das Eine, kommt ein Jahr später was Neues, das erstrebenswerter erscheint und den Stellenwert des Alten verdrängt.
In manchen Dingen ist der Konsum allein der Sinn des Strebens geworden. Wir leben und definieren uns hier und da bloß über den Konsum - so las ich es aus der soziologischen Lifystyle-Forschung. Wie oft werden von Jugendlichen Accessoires gekauft, nur um für ein Internetprofilfoto am eigenen Leib wie eine Trophäe fotografiert zu werden. Ich finde es sehr interessant, sich absolut selbstehrlich zu fragen, wann man eigentlich genug hat und mit seinen gegenwärtigen Besitztümern für einen längeren Zeitabschnitt konsistent glücklich leben kann.
Ob ein nach den Bedürfnissen orientierter Minimalismus überhaupt eine bessere Alternative ist, will ich gar nicht behaupten. Ich kenne spontan drei Beispiele aus meinem Umkreis. Ein Kollege hat sich eine horrend teure Snowboard-Ausrüstung gekauft und es nur ein Mal im Urlaub in den letzten 10 Jahren ausprobiert, eh der neueste 3D-Fernseher seinen vorherigen LED-TV ersetzte. Ein anderer kaufte sich ein arschteures Rennrad und hat es auch nur einmal benutzt. Seine Hoffnung lag darin, Anschluss bei anderen Kollegen zu finden (Besitztümer für Teilhabe an der Gesellschaft?).
Ein Freund kaufte mir damals meine PS2 ab, die jahrelang unberührt verstaubte, bis er sich nun die PS3 kaufte, die nun ebenfalls jungfräulich in seinem Schrank verenden wird. Auch da lag die Motivation sichtlich nur in der Hoffnung, Kontakt und Anschluss zu halten/schaffen. Brauchen tut er sie aber nicht. Freilich gibt es auch viele Gegenbeispiele wie meine Eltern, die sich gegen jede neue Investition sträuben und alle Geräte bis zur äußersten Lebensdauer ausreizen.
Doch in allen drei Beispielen erkenne ich die Möglichkeit, sich in diesem schnelllebigen Materialismus in verschiedenen Bereichen ausprobieren zu können und seinen Horizont über materielle Dinge zu erweitern - Argument pro.
Argument Contra: wird man bei der Qual der Wahl und den ständig neuen Dingen überhaupt mal irgendwo für eine gewisse Lebensphase ankommen (sagen wir mal für einige Jahre oder Jahrzehnt)? Und das befriedigende Gefühl verspüren können, dauerhaft genug zu haben und nichts mehr an mittel bis großen Investitionen zu brauchen? Und sich dafür an den kleinen Dingen des Alltags erfreuen können?
Special-Extended-Bonusmaterial
Ich muss an dieser Stelle an einen meiner Lieblingsfilme denken. Zitat von "39,90" zu Beginn:
Zitat von 39,90 gegen Ende:
Persönliches Fazit aus allem:
Wer weniger Möglichkeiten hat, hat auch nicht die Qual der Wahl.
Besteht ein Angebot, entsteht auch ein Interesse daran. Besteht das Angebot nicht, ist auch nicht unbedingt ein Interesse daran vorhanden. Ist es umgekehrt, also will man etwas, wo noch eine Marktlücke existiert und will man die Dinge nicht, die dafür existieren, kann man Tendenzen einer autodeterministischen Natur darin sehen. Oder, aus Sicht der Mitläufer, einen eigenwilligen Trotzkopf. Dieser weiß jedenfalls, was er will und was nicht. So ergeht es mir derzeit, wenn ich bei GameStop bin und man mir immer diese modernen Spiele wie RE6, Mass Effect und Skyrim andrehen will und mich dann völlig verständnislos anguckt, wenn ich daran kein Interesse habe. Ich habe derzeit viel mehr Motivation dafür, die Welt zu verändern oder etwas Großes auf die Beine zu stellen. Also ab zurück ins Weltherrscher-Labor.
Update 1:
Ich habe auch gleich einen Nachschlag mitgebracht, der recht gut hierzu passt. Ein sehr interessanter Vortrag, der mal im Radio morgens lief. Man kann ihn sich je nach Belieben auf folgendem Link anhören oder als PDF runterladen (geht 30-40 Minuten lang). Kann ich jedem nur empfehlen!!
> Wohlstand ohne Wachstum
Der Autor spricht vierschiedene Bereiche eher oberflächlich und philosophisch an. Ich könnte jeden Aspekt noch weiter vertiefen. Ich will hier nur zwischen qualitativen und quantitativen Wachstum unterscheiden. Qualitativ heißt, dass Technologien besser, effizienter, umweltfreundlicher, langlebiger werden und Produkte und Lebensstil gesünder, nachhaltiger, etc. Quantitativ heißt grob gesagt immer mehr, mehr, mehr (BIP, Produktionsraten, Verkaufszahlen, etc.). Und das geht auch aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht nicht lange gut.
Vor allen Dingen geht mit dieser Art des Wachstums zwangsläufig auch eine räumliche Expansion einher. Da habe ich schon bei einem gespielten Bauprojekt in der Uni gefragt: "Welche Natur wollen wir mit niedrigen Emissionen schützen, wenn hier und auch anderswo in der Welt bald alles zugebaut ist? Es sollen alle übrigen Flächen bebaut werden und wir betreiben eine Art modernen Ablasshandel mit schönfärbenden Effizienzzahlen mit Solar und Regenzisternen...".
Einige Menschen, die gerne in Städten leben, scheint es nicht zu stören. Die schaffen es, die globalen Folgen gekonnt mit ihrer Lebensweise zu verdrängen. Ich nicht.
Update 2:
Das ist wohl war. Denn man braucht immer ein Ziel oder
irgendetwas, das seinem Dasein einen Sinn verschafft. Ich kenne aber
auch viele, für die dies der bloße Hedonismus im Leben ist. Im Klartext:
auf der Arbeit so wenig wie möglich tun, sich beruflich und privat bloß
nicht weiterentwickeln, meist vor dem PC hocken (Call of Duty oder WoW
mit den Kollegen) und dafür immer das neueste an Autos, Iphone und
Lifestyle-Gedöns.
Mir wurde das schnell zu schnöde und dem ganzen Beruf (durch Technisierung zum Fließbandjob verkommen) wurde ich überdrüßig. Deshalb schreibe ich jetzt ein neues Lebenskapitel - tabularasa!
Ich vergesse nie, wie stolz ich damals auf meinen ersten Lexus war. Erst ein exklusiver Nobelschlitten und zwei Jahre später wirkte die Karre gegenüber den Faceliftings neuerer Autos wie ein stinknormaler Mittelklassewagen. Die Extraausstattung, einst Luxus (Navisystem, Sitzheizung, Klimaautomatik, etc. pp), war dann bald schon Standard und verlor an Verkaufswert. Kaum gewöhnte ich mich an das aktuelle Auto, begehrte ich exklusivere Autos wie Porsche.
Zum Glück gibt es auch andere Wege, sich Ziele zu setzen und ein stetiges Mehr/Neues zu finden, als über den Konsum. Beispielsweise mit Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen, Erlebnissen, Kultur, etc. Wohlstand macht uns schließlich nicht besser, sondern eher träge, verweichlicht und inkompetent - mMn fern das Prinzip von Dekadenz.
Wenn sich nur noch der Materialismus als einziger Sinn des Lebens anbieten würde, um "satt" zu werden, dann würde unser Planet in viel näherer Zukunft so aussehen wie in dem Film Wall-E. Dieses alternative Denken wird leider vor allem durch die Medien und Werbung in unserer Alltagskultur verdrängt.
Das wissen die meisten zwar, doch richtig begreifen nur wenige. Ich muss auch zugeben, dass es nicht leicht ist, sich aufzuraffen und neue Lebensinhalte (Hobbies z.B. - aber nicht mit virtueller Realitätsflucht) für sich zu entdecken. Ich habe mir übrigens eine To-Do-Liste verfasst, in der auch Hobby-Ideen zum Ausprobieren stehen.
Damals, so sinnierte ich, hatte ich fast nichts, außer im Wesentlichen einem GameBoy, SNES, Lego und ein paar Kassetten. Der Rest zum Überleben lag in der Wohnung meiner Eltern. Für SNES konnte ich mir keine Spiele leisten. So hatte ich nur zwei Dutzend GameBoy-Spiele, mit denen ich mich jahrelang nonstop beschäftigen konnte. Bekam ich später auch ein paar CDs, liefen die monatelang. Man kennt die Entwicklung sicher, die ich jetzt beschreibe. Man wird mit dem Alter begeisterungsunfähiger, gewiss. Doch ich sehe da noch mehr hinter. Als Azubi konnte ich mir einige aus der Kindheit heiss ersehnte Spieleklassiker nachkaufen, die mich dann aber nicht mehr so lange an der Konsole hielten. Gott sei Dank, denn besonders erstrebenswert finde ich es als Erwachsener nicht mehr, seine Lebenszeit mit ein paar primitiven digitalen Spielen zu verbringen. Und nun mit dem Internet habe ich die Möglichkeit, ALLE Klassiker als Emulatoren zu spielen. Anfangs glich das dem Schlaraffenland, heute mehr als Schrottplatz. Kaum hatte ich Spiel A mal angespielt, war mein Verlangen danach, Spiel B zu spielen, größer. Und so weiter.
So ging es aber nicht nur bei Spieleoldtimern. So geht es bei allem, irgendwie. Mit 50 Gigabyte an Musik wusste ich immer, was ich hören wollte. Heute, mit 200 GB, weiß ich es schon nicht mehr (und über 200 GB werden viele sicherlich lachen!). Wenn man das nicht mehr weiß, liegt es nahe, sich mit dem Neuesten, was man in die Finger bekommt, zu beschäftigen. Also alles, was man noch nicht kennt, bis wieder etwas Neues greifbar wird. Ich stelle daraus fest, dass Überfluss ein wenig oberflächlich, halbherzig und schwerer begeisterungsfähig macht - tendenziell.
Ich glaube, dass als Folge der Wachstumsprämisse unserer westlichen Gesellschaft das Angebot an Medien, Kultur und Waren zu einem Überangebot heranwuchs, durch das wir selber keine persönlichen Befriedigungs-/Sättigungsgrenze mehr kennen. (Wir sind uns nicht mal im Klaren, dass als Folge unseres Systems vorab knapp die Hälfte aller Lebensmittel für den Müll einkalkuliert wird). Natürlich wird auch ohne ein verlockendes Überangebot alles irgendwann uninteressant und will ersetzt werden. In den 80ern konnten "wir" uns auch für viel mehr begeistern als heute, weil man vieles auch noch nicht kannte. Da konnte man, als Kabelfernsehen neu war, stundenlang Teleshopping gucken, während da heute nur noch jeder die Nase rümpft.
Ich glaube aber, dass wir durch den Reiz der Überangebote zum Maximalismus verleitet werden. Kaum hat man das Eine, kommt ein Jahr später was Neues, das erstrebenswerter erscheint und den Stellenwert des Alten verdrängt.
In manchen Dingen ist der Konsum allein der Sinn des Strebens geworden. Wir leben und definieren uns hier und da bloß über den Konsum - so las ich es aus der soziologischen Lifystyle-Forschung. Wie oft werden von Jugendlichen Accessoires gekauft, nur um für ein Internetprofilfoto am eigenen Leib wie eine Trophäe fotografiert zu werden. Ich finde es sehr interessant, sich absolut selbstehrlich zu fragen, wann man eigentlich genug hat und mit seinen gegenwärtigen Besitztümern für einen längeren Zeitabschnitt konsistent glücklich leben kann.
Ob ein nach den Bedürfnissen orientierter Minimalismus überhaupt eine bessere Alternative ist, will ich gar nicht behaupten. Ich kenne spontan drei Beispiele aus meinem Umkreis. Ein Kollege hat sich eine horrend teure Snowboard-Ausrüstung gekauft und es nur ein Mal im Urlaub in den letzten 10 Jahren ausprobiert, eh der neueste 3D-Fernseher seinen vorherigen LED-TV ersetzte. Ein anderer kaufte sich ein arschteures Rennrad und hat es auch nur einmal benutzt. Seine Hoffnung lag darin, Anschluss bei anderen Kollegen zu finden (Besitztümer für Teilhabe an der Gesellschaft?).
Ein Freund kaufte mir damals meine PS2 ab, die jahrelang unberührt verstaubte, bis er sich nun die PS3 kaufte, die nun ebenfalls jungfräulich in seinem Schrank verenden wird. Auch da lag die Motivation sichtlich nur in der Hoffnung, Kontakt und Anschluss zu halten/schaffen. Brauchen tut er sie aber nicht. Freilich gibt es auch viele Gegenbeispiele wie meine Eltern, die sich gegen jede neue Investition sträuben und alle Geräte bis zur äußersten Lebensdauer ausreizen.
Doch in allen drei Beispielen erkenne ich die Möglichkeit, sich in diesem schnelllebigen Materialismus in verschiedenen Bereichen ausprobieren zu können und seinen Horizont über materielle Dinge zu erweitern - Argument pro.
Argument Contra: wird man bei der Qual der Wahl und den ständig neuen Dingen überhaupt mal irgendwo für eine gewisse Lebensphase ankommen (sagen wir mal für einige Jahre oder Jahrzehnt)? Und das befriedigende Gefühl verspüren können, dauerhaft genug zu haben und nichts mehr an mittel bis großen Investitionen zu brauchen? Und sich dafür an den kleinen Dingen des Alltags erfreuen können?
Special-Extended-Bonusmaterial
Ich muss an dieser Stelle an einen meiner Lieblingsfilme denken. Zitat von "39,90" zu Beginn:
"Man kann alles kaufen: die Liebe, die Kunst,
den Planten Erde, Sie, und mich. Vor allem mich. Der Mensch ist ein
Produkt wie jedes andere. Mit einem Verfallsdatum. Ich bin
Werbefachmann. Ich bin der, der Sie von Dingen träumen lässt, die es für
Sie niemals geben wird: ein ständig blauer Himmel, makellose Mädchen,
perfektes Glück - retuschiert mit Photoshop. Sie glauben, ich würde die
Welt verschönern? Falsch. Ich mache sie kaputt. Alles ist nur
provisorisch: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, und ich. Vor
allem ich.
Ich bin eigentlich eher ein Stück Scheiße. Ein moderner Held eben.
Meine Hosen finde ich in der Vogue oder Vanity Fair, einen Monat vor Erscheinen. Meine Hemden kommen aus New York, Tokyo, Bombay, Guéthary. Tut mir leid, dass ich Ihnen so weit voraus bin, aber ich bin nun mal der, der heute entscheidet, was Sie morgen wollen. Ich mache Sie süchtig nach Neuem. Und das Schöne am Neuen ist, dass es nie lange neu bleibt. Sie sollten anfangen, mich zu hassen. Bevor Sie die Zeit hassen, die mich hervorgebracht hat."
"Übrigens, mein Name ist Octave, und meine Kleidung ist von APC. Mein Job ist es, Sie für 75000 Franc im Monat zu manipulieren. Wenn Sie genug Geld zusammengespart haben, um sich endlich Ihr Traumauto kaufen zu können, habe ich längst dafür gesorgt, dass es nicht mehr angesagt ist. Ich sorge für Ihre Frustration. Ich bin es, der Ihren Geist penetriert und in Ihrer rechten Gehirnhälfte zum Höhepunkt kommt. Sie haben kein eigenes Verlangen mehr. Ich zwinge Ihnen meines auf. Kein anderer verantwortungsloser Idiot hatte in den letzten zweitausend Jahren so viel Macht wie ich."
Ich bin eigentlich eher ein Stück Scheiße. Ein moderner Held eben.
Meine Hosen finde ich in der Vogue oder Vanity Fair, einen Monat vor Erscheinen. Meine Hemden kommen aus New York, Tokyo, Bombay, Guéthary. Tut mir leid, dass ich Ihnen so weit voraus bin, aber ich bin nun mal der, der heute entscheidet, was Sie morgen wollen. Ich mache Sie süchtig nach Neuem. Und das Schöne am Neuen ist, dass es nie lange neu bleibt. Sie sollten anfangen, mich zu hassen. Bevor Sie die Zeit hassen, die mich hervorgebracht hat."
"Übrigens, mein Name ist Octave, und meine Kleidung ist von APC. Mein Job ist es, Sie für 75000 Franc im Monat zu manipulieren. Wenn Sie genug Geld zusammengespart haben, um sich endlich Ihr Traumauto kaufen zu können, habe ich längst dafür gesorgt, dass es nicht mehr angesagt ist. Ich sorge für Ihre Frustration. Ich bin es, der Ihren Geist penetriert und in Ihrer rechten Gehirnhälfte zum Höhepunkt kommt. Sie haben kein eigenes Verlangen mehr. Ich zwinge Ihnen meines auf. Kein anderer verantwortungsloser Idiot hatte in den letzten zweitausend Jahren so viel Macht wie ich."
Zitat von 39,90 gegen Ende:
"Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der
Planet Erde, Sie, ich. Ich schreibe dieses Buch, um gefeuert zu werden.
Wenn ich selbst gehe, gibt es kein Geld. Ich muss den Ast absägen, auf
dem mein Komfort sitzt. Meine Freiheit heißt Arbeitslosenversicherung.
Ich werde lieber von einer Firma entlassen, als vom Leben. DENN ICH HABE
ANGST. Um mich herum sterben die Kollegen wie die Fliegen: Herzschlag
im Schwimmbad, Myokardinfarkt als Legende für eine Überdosis Kokain,
Absturz mit dem Privatjet, Karambolage mit dem Kabriolett. (…) Alles ist
vorläufig, alles ist käuflich. Der Mensch ist eine Ware wie alle
anderen, er hat ein Verfallsdatum. Deshalb bin ich entschlossen, mit 33
abzutreten. Offenbar das ideale Alter für eine Wiederauferstehung. (…)
Ich heiße Octave und kaufe meine Klamotten bei APC. Ich bin Werber: ja,
ein Weltverschmutzer. Ich bin der Typ, der Ihnen Scheiße verkauft. Der
Sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden. (…) In meinem
Metier will keiner Ihr Glück, denn glückliche Menschen konsumieren
nicht."
Persönliches Fazit aus allem:
Wer weniger Möglichkeiten hat, hat auch nicht die Qual der Wahl.
Besteht ein Angebot, entsteht auch ein Interesse daran. Besteht das Angebot nicht, ist auch nicht unbedingt ein Interesse daran vorhanden. Ist es umgekehrt, also will man etwas, wo noch eine Marktlücke existiert und will man die Dinge nicht, die dafür existieren, kann man Tendenzen einer autodeterministischen Natur darin sehen. Oder, aus Sicht der Mitläufer, einen eigenwilligen Trotzkopf. Dieser weiß jedenfalls, was er will und was nicht. So ergeht es mir derzeit, wenn ich bei GameStop bin und man mir immer diese modernen Spiele wie RE6, Mass Effect und Skyrim andrehen will und mich dann völlig verständnislos anguckt, wenn ich daran kein Interesse habe. Ich habe derzeit viel mehr Motivation dafür, die Welt zu verändern oder etwas Großes auf die Beine zu stellen. Also ab zurück ins Weltherrscher-Labor.
Update 1:
Ich habe auch gleich einen Nachschlag mitgebracht, der recht gut hierzu passt. Ein sehr interessanter Vortrag, der mal im Radio morgens lief. Man kann ihn sich je nach Belieben auf folgendem Link anhören oder als PDF runterladen (geht 30-40 Minuten lang). Kann ich jedem nur empfehlen!!
> Wohlstand ohne Wachstum
Der Autor spricht vierschiedene Bereiche eher oberflächlich und philosophisch an. Ich könnte jeden Aspekt noch weiter vertiefen. Ich will hier nur zwischen qualitativen und quantitativen Wachstum unterscheiden. Qualitativ heißt, dass Technologien besser, effizienter, umweltfreundlicher, langlebiger werden und Produkte und Lebensstil gesünder, nachhaltiger, etc. Quantitativ heißt grob gesagt immer mehr, mehr, mehr (BIP, Produktionsraten, Verkaufszahlen, etc.). Und das geht auch aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht nicht lange gut.
Vor allen Dingen geht mit dieser Art des Wachstums zwangsläufig auch eine räumliche Expansion einher. Da habe ich schon bei einem gespielten Bauprojekt in der Uni gefragt: "Welche Natur wollen wir mit niedrigen Emissionen schützen, wenn hier und auch anderswo in der Welt bald alles zugebaut ist? Es sollen alle übrigen Flächen bebaut werden und wir betreiben eine Art modernen Ablasshandel mit schönfärbenden Effizienzzahlen mit Solar und Regenzisternen...".
Einige Menschen, die gerne in Städten leben, scheint es nicht zu stören. Die schaffen es, die globalen Folgen gekonnt mit ihrer Lebensweise zu verdrängen. Ich nicht.
Update 2:
"Es
gibt Menschen, die arbeiten jahrelang auf ein Ziel hin und wenn sie es
erreicht haben, sind sie trotzdem nicht glücklich. Ich glaube nicht,
dass die Menschheit jemals "satt" wird."
Mir wurde das schnell zu schnöde und dem ganzen Beruf (durch Technisierung zum Fließbandjob verkommen) wurde ich überdrüßig. Deshalb schreibe ich jetzt ein neues Lebenskapitel - tabularasa!
Ich vergesse nie, wie stolz ich damals auf meinen ersten Lexus war. Erst ein exklusiver Nobelschlitten und zwei Jahre später wirkte die Karre gegenüber den Faceliftings neuerer Autos wie ein stinknormaler Mittelklassewagen. Die Extraausstattung, einst Luxus (Navisystem, Sitzheizung, Klimaautomatik, etc. pp), war dann bald schon Standard und verlor an Verkaufswert. Kaum gewöhnte ich mich an das aktuelle Auto, begehrte ich exklusivere Autos wie Porsche.
Zum Glück gibt es auch andere Wege, sich Ziele zu setzen und ein stetiges Mehr/Neues zu finden, als über den Konsum. Beispielsweise mit Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen, Erlebnissen, Kultur, etc. Wohlstand macht uns schließlich nicht besser, sondern eher träge, verweichlicht und inkompetent - mMn fern das Prinzip von Dekadenz.
Wenn sich nur noch der Materialismus als einziger Sinn des Lebens anbieten würde, um "satt" zu werden, dann würde unser Planet in viel näherer Zukunft so aussehen wie in dem Film Wall-E. Dieses alternative Denken wird leider vor allem durch die Medien und Werbung in unserer Alltagskultur verdrängt.
Das wissen die meisten zwar, doch richtig begreifen nur wenige. Ich muss auch zugeben, dass es nicht leicht ist, sich aufzuraffen und neue Lebensinhalte (Hobbies z.B. - aber nicht mit virtueller Realitätsflucht) für sich zu entdecken. Ich habe mir übrigens eine To-Do-Liste verfasst, in der auch Hobby-Ideen zum Ausprobieren stehen.
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