Was ist bloß mit den Menschen los? Das Zeitalter der multimedialen
Verknüpfung brachte die Umkehrung darin, dass die Technik nun den
Menschen beherrscht und nicht mehr umgekehrt. Einige merkwürdige Dinge
stechen dabei als zeittypisch hervor, die ich nicht nachvollziehen kann:
- Ich werde von bislang unbekannten Leuten aus dem bevorstehenden Modul
auf Facebook geaddet, worüber ich mich natürlich freue. Doch dann in real
wollen sie nichts mit mir zu tun haben und scheinen mich bewusst zu ignorieren. Warum zum Geier nehmen die
mich dann erst auf Facebook auf?
- Wenn man dann Leute von der Facebook-Liste löscht, zu denen man gar
keinen Kontakt mehr hat oder der Kontakt von der anderen Seite gemieden
wird, ist der Aufschrei groß. Überhaupt jemanden von dieser heiligen
Liste zu löschen gleicht ja schon einem Sakrileg. Warum? Ich will nur
Leute auf einer Freundesliste, die ich real kenne, die mich nicht ignorieren und mit denen ich wenigstens ab und an mal Kontakt habe - das nur als Grundprämisse.
- Für scheinbar alles wird das Iphone genutzt (in anderen
Zusammenhängen auch andere Geräte). Das ist manchmal merkwürdig. Zum
Beispiel neulich, als wir in einer Einführungsveranstaltung in der neuen
Gruppe zusammen saßen. Der Tutor schreibt seinen Namen, Emailnummer und
einige Kursinfos an die Tafel. Ich hole in gewohnter Manier
Kollegeblock und Kulli aus der Tasche und schreibe ab. Dann sehe ich
auf, mich um und stelle fest: du bist verdammt nochmal der einzige hier mit Block und
Kulli. Alle anderen, wirklich ALLE, saßen dort mit Iphone am tippen.
- Wirklich kurios ist auch eine Art Trend, sein Essen zu fotografieren.
Wie eine Art Tischgebet ein technisches Zeremoniell vorab? Will man
damit auf Facebook seine Wertschätzung des Essens demonstrieren? Machen die
das auch auf Klo? Ich verstehe die heutige Generation nicht mehr.
- Und schon letztes Jahr schrieb ich irgendwo über die sonderbarste
Sonderbarkeit des heutigen Zusammenlebens, bei der junge Menschen
überall nur noch mit ihren Handies kommunizieren, auch wenn sie im
gleichen Raum, Abteil oder Mensa sitzen. Wie Zombies laufen die Leute
starrend auf ihre Bildschirme durch die Welt. Da bin ich lieber
"altmodisch" (laut der Telekom), weil ich ein Nokia 6210 will und kein
Iphone.
...oder Dinge, die niemanden interessieren. Nach dem
gestrigen Radiointerview mit einem Philosophen weiß ich aber, dass auch
Andere eine ganze Stunde über ebenso belanglose Themen reden/schreiben
können.
Vorwort:
Jahrelang beschäftigte ich mich immer wieder mit scheinbar völlig
lapidaren, trivialen Begriffsdefinitionen. Im aktuellen Fall: "Was ist Weisheit? Wo ist der Unterschied zur Intelligenz?".
Nach etlichen Jahren an reflektierter Alltagserfahrung komme ich in
vielen der Themen, die mich beschäftigen, auf endgültige Ergebnis, die
ich seither nicht widerlegen oder weiter korrigieren konnte. Ich schaffe
es oft, die ausschweifenden Kontemplationen auf zentrale, fundamentale
Definitionen in nur wenigen Sätzen zu komprimieren. Unabhängig von dem,
was im Duden oder auf Wikipedia steht. Oftmals deckt sich das aber auch,
wie meine Definition von "Philosophie" als "Liebe zur Wahrheit" oder etwa "Was ist Zeit?" (bloß dass ich bestreite, dass Zeitreisen möglich sind - dazu gibt es ein ausführliches Diskussionsthema in meinem Stammforum).
Da Wörter nur abstrakt sind und deren Bedeutungen im Grunde beliebig
wählbar sind, muss ich aus den Erfahrungen auch herausfiltern, was
ursprünglich hinter diesen Wörtern für eine Bedeutung gedacht war und
welche am sinnvollsten in der Gegenwart ist.
Jetzt stellt sich die Frage, warum ich diesen langen Pfad, den ganzen
Müßiggang mit dieser theoretischen Materie auf mich nehme, wenn ich am
Ende etwas erhalte, das ich ebenso gut in wenigen Minuten auf Wikipedia
oder im Duden erhalten könnte.
Grund 1: Ich behaupte, es ist nicht dasselbe, es nachzulesen und
es selber zu begreifen! Es ist genau so, als wenn ich in Physik ohne
Verständnis der Materie eine Formel zur Berechnung einer Aufgabe
nachschlage. Ich kenne dann die Formel und deren Definition, doch
automatisch verstehen tue ich diese deshalb nicht. Die gesamte
Herleitung, das ganze Ausmaß der Bedeutung in verschiedenen
Alltagskontexten begreift man nur durch ein eigenes Studium des
Physikstoffs. Man kann Physik ebenso studieren wie das Leben in diversen
Aspekten.
Grund 2: Man nutzt täglich viele Wörter, ohne sich bewusst zu
sein, was sie eigentlich ab initio bedeuten. Damals wusste ich z.B.
nicht mal eine Antwort auf die Frage "Was bedeutet "relativ" nun eigentlich?".
Wie an unserer Uni oft gesagt wird, versteht man etwas erst, wenn man
es auch anderen erklären kann. Oft stecken mehr Bedeutungen in den
Wörtern als man glaubt. In der Werbung hört man oft "ergonomisch", ohne
dass die meisten wissen, was das bedeutet. Wie oft wurden Menschen als
"dumm" abgestempelt, die eigentlich nur naiv, unvernünftig, ungebildet,
charakterlich zurückgeblieben oder nur in einer bestimmten Art und Weise
dumm waren? Was hat "asozial" für einen Bedeutungswandel von
"dissozial" hin zu "arm/unkultiviert" hin erfahren? Es ist also etwas
Haarspalterei und die "Liebe zur Wahrheit", die mich mit so trivialen
Dingen lange beschäftigen lässt. Es beugt Missverständnissen im
Sprachgebrauch ebenso vor wie Vorurteilen Mitmenschen gegenüber.
Nachvollziehen können es vermutlich nur wenige Menschen.
Grund 3: Es ist auf jeden Fall interessanter als Fußball und manch andere Dinge wie Mechanik (also von wegen, ich hätte nichts
"Besseres" zu tun) ;-).
Eigentlich bringt es deshalb wenig, wenn ich meine Erkenntnisse so
wiedergebe wie hier. Genauso wenig, wie es etwas bringt, Philosophie nur
zu studieren, in dem man sich das Wissen daraus nur aus Büchern oder
Enzyklopädien aneignet. Ich tue es trotzdem, also meine letzten Schliffe
in der Frage "Was ist Weisheit und was genau der Unterschied zur Intelligenz?" posten. Auch wenn das Ergebnis unfassbar banal klingt.
Dazu ein paar alte, passende Zitate:
# Menschen, die Philosophie nur aus Büchern erlangten, sind für mich
keine wahren Philosophen, nur Gelehrte. A propos: Passendes dazu im Brockhaus
Philosophie unter "Eklektizismus". Andererseits lässt sich kaum etwas
verarbeiten, das nicht schon von anderswo aufgegriffen wurde. "Die Prämisse jeder auf Rationalismus beruhenden Konklusion ist Empirismus". Also ist absolut autotelische Philosophie sowieso nicht möglich.
# Erkenntnisse erfolgen nur von innen/einem selbst heraus, aus der
entsprechenden eigenen Erfahrungen und Reflexionen. -> Empathie. Rein
theoretische, akademische Philosophie ist quasi die Theorie des Lebens,
in der der Erkenntnisgewinn und die Verarbeitung von Erfahrungen
vorgekaut werden. Selber Erfahrungen zu reflektieren ist wie Aufräumen
des Informations-Chaos im Kopf; kategorisieren, definieren, tausend
Gedanken auf eine kleine Formulierung treffend zu komprimieren, aus
Gedankenfragmenten wie mit Klötzchen ein Weltbild aufbauen,...
# Philosophie ist eine brotlose Kunst geworden. Dabei vergisst man, dass
sie in den meisten Bereichen die Basis war, sogar in der Mathematik. In
Recht, Politik und Wirtschaft sowieso. Wer hätte gedacht, dass Mathe
auch in gewisser Weise als Geisteswissenschaft gelten kann? Definitionen
und Beweis-Theorie säumen diesen Raum. Zahlen haben zwar einen Wert,
aber ohne Kontext keine Eigenbedeutung, Wörter dagegen keinen Wert, aber
auch ohne Kontext eine Eigenbedeutung.
# Das Abitur ist oft wie ein geistiges Korsett. Kaum ist man aus der
Schule raus, lässt die reflexive Haltung nach. (auch in Punkto
Inspiration, Kreativität und Eigeninitiative. Alles extrinsisch
motiviert?)
# Die intellektuelle Welt kann eine genauso schwachsinnige Scheinwelt
sein wie die anderen auch. Sei es als Realitätsflucht oder als Schutz
vor Minderwertigkeitskomplexen.
# Trivialweisheiten sind für die alltägliche Realität die bedeutendsten
Weisheiten! Auf dieser Basis baut vieles auf. In Mathe ist man auch erst
gut, wenn man die Grundrechenarten richtig versteht.
# Intelligenz sorgt für Kurzsicht und Weisheit für Weitsicht. -> Mein
Beispiel mit dem Mathematiker/Physiker, der mit der Nase vor dem Bild
die Rasterpunkte im Durchmesser, Dicke, Logarithmus densitometrischer
Farbdichte, Abstand und Moirefrequenz misst, während der Philosoph das
Gesamtbild aus Entfernung betrachtet, das dabei entsteht, und alle
inhaltlichen Aspekte auswertet.
(Das hier wurde mir oft in Physik bewusst, als ich Fächer
dieser Art mit meinen persönlichen Stärken verglich. In empirischen
Bereichen muss man nichts erst nachmessen, um etwas "zu Tode zu
analysieren" zu können. Wegen dieser leichteren Alltagsanwendbarkeit mag
ich Physik und Mathe nicht so sehr wie Soziologie und Psychologie).
Endgültige Definition für Weisheit: Weisheit ist die Summe reflektierter Erfahrung - Punkt.
Jemand mit viel Erfahrung, der diese kaum reflektiert, kann genauso
weise sein wie jemand mit wenig Erfahrung, der diese gründlich
reflektierte. Darum sagt man auch "Alter schützt vor Torheit nicht".
Gegenteil: Naivität (ist
mir eben erst aufgefallen. "Unweise" passte als Gegenteil nicht
wirklich). Und wie grenzt man nun Reife von Weisheit ab? Auch da habe
ich schon Kriterien für. Ich behaupte mal, Reife zeigt sich mehr im
Verhalten nach außen.
Eine spontane, stümperhafte Definition von Intelligenz:
Intelligenz ist die Leistungsfähigkeit aus Kurzzeitgedächtniskapazität,
schnellem, zielorientiertem und flexiblem Denken. Aus diesen
Eigenschaften können sich verschiedene Arten unabhängig voneinander
ausprägen (Kreativität, Logik, visuelle, mathematische, sprachliche,
musikalische, handwerkliche, etc.).
Gegenteil: Dummheit.
(Viele nennen mich zu Unrecht "intelligent". Weisheit
konnte ich mir immerhin mit kleinem "Arbeitsspeicher" und "langsamer
Leitung" anreichern).
Schlusswort:
Ich habe meine Definition nicht mit Wiki oder Duden verglichen. Etwaige
Unterschiede schließe ich nicht aus. Für mich sind diese hier aber im
Alltagsgebrauch wasserdicht genug. Oftmals existieren in verschiedenen
Wissenschaften verschiedene Definitionen parallel zueinander. Von daher
halb so wild. Zumindest kann ich diese Wörter nun nach dieser
ausgiebigen Wortklauberei in bewusster Abgrenzung zueinander und mit
klarerem Bewusstsein verwenden :-).
...oder ein Abschiedsbrief an ein altes Hobby?
Seit ich vor etlichen Jahren im Internet aktiv wurde und mit Beruf und
Fortbildungen allerhand um die Ohren hatte, kam das exzessive Zocken
glücklicherweise für einige Jahre zum Erliegen. Jahre später, auf die 30
zugehend, habe ich aber gewaltige Mühe, wieder den Einstieg zu finden
und mich für die Next-Generation zu begeistern. Ich erzähle warum, damit
man mir auf meine Präferenzen hin Spielevorschläge geben kann und ihr mich
eventuell nachvollziehen könnt - vielleicht bin ich ja doch nicht
alleine?
Ich war noch nie der Leistungsspieler, hatte damals schon mehr Freude daran, alles (z.B. im Herrenhaus) so gründlich es ging und ohne Zeitdruck
auf Items und stroyrelevante Dinge zu untersuchen, genieße (z.B. in
Secret of Evermore) lieber die Atmosphäre, knacke gerne Rätsel, ein paar
leichte Kämpfe zur Abrundung sind auch ganz okay. Alles ruhig, kompakt
und vom Rahmen her überschaubar. Klassische Action-Adventure, Action,
Fun-/Sportspiele (SSX) und klassiche RPGs bildeten mein bevorzugtes
Genre. Action ersetze ich heute lieber mit reinen Adventures. Shooter
und alles in diese Richtung waren dagegen schon immer tabu, null Chance.
Ab der PS2 hat meine Begeisterungsfähigkeit zunehmend nachgelassen,
nachdem Fortsetzungen wie MGS2, SH2, FFX mich inhaltlich enttäuscht
haben. Mit den ganzen Fortsetzungen wurde auch nichts neues mehr
geboten. Besonders in Tekken heißt es jetzt: kennt man einen Teil, kennt
man alle. Mega Man, Gran Turismo,... - irgendwann kennt man alles im
Prinzip. Da ist es ganz normal, denke ich, dass die
Begeisterungsfähigkeit nachlässt. Ihr glaubt nicht, wie überrascht ich
war, als ich in Code Veronica den ersten Zombie auf der Insel traf (im
Gegensatz zu RE1).
Dennoch habe ich das Hobby nie abgeschrieben, suchte und fand auch noch
einige Ausnahmetitel, die mich ab der Zeit noch richtig fesseln konnten.
Beispiel: Metroid Prime 1 (der Ausnahmeshooter für mich - Teil 2 war mir wieder viel zu schwer), Zelda
TP, SSX3, Heavy Rain, auch Tomb Raider Underworld war noch okay. Der
Anteil an Kämpfen war da für mich passend, für Fans dafür zu wenig. Für
die PS3 finde ich nun seit ein paar Jahren aber fast keine interessanten Titel mehr für mich. Auf zwei Dinge lege ich grundlegenden Wert.
Erstens:
Aufmachung für ein Ü-30-Publikum. Also keine oberkrassen, protzigen Checker-Poser-Typen wie hier: > obligatorischer Schulterblick - das meine
ich mit Zielpublikum "männlich, 16-25". Auch bitte keinen Proleten-Dante (damals habe
ich Devil May Cry noch mit Begeisterung gespielt!), erst Recht keine
Bayonetta, auch keine übertrieben aufgepimpten Orks wie in WoW. Lieber
authentisch gestaltete Menschen wie hier: > Abenteurer, > Detektiv, > Familienvater.
Zweitens:
Es soll nicht zu schwer sein und lieber nur wenig Action und Geballer
(auch wenn's langweilig klingt^^). Wie oben schon erwähnt bevorzuge ich
Atmosphäre, spannende Story/Plot, Rätsel, Erkundungsmöglichkeiten ohne
Zeitdruck oder Ablenkung, gerne auch freie Welten, aber alles im
Überschaubaren. Leider wurden Spielewelten jedoch immer gigantischer,
komplexer und umfangreicher (mind. optisch). Für jemanden, der
buchstäblich jeden einzelnen Stein umdreht und nur 1-2 Stunden pro Woche
spielt, ist so eine Welt nichts.
Ein wenig Fantasy kann auch okay sein, wenn es originell und
anspruchsvoll ist und nicht primär an diese Zielgruppe "männlich, 16-25"
gerichtet ist.
Wenn schon gekämpft wird, dann nicht ständig unter Zeitdruck, nicht mit
dauernden Verfolgungsjagden, nicht mit unendlich nachrückenden Gegnern
und lieber einem Autoziel-/Lock-System wie in Zelda TP oder RE1. Mann,
bin ich wählerisch, ich weiß ;-).
- Nun die Überlegung, was da für mich passen könnte. Die meisten MMORPGs
reizen mich nicht so sehr. Fast alle sind vom Grundaufbau her gleich,
das stört mich. Und FF hat sich zu sehr verändert, so dass ich lieber
Teil 6-9 im Herzen treu bleibe. GW und Dragon Age hätten mich schon
interessiert. Aus Zeitgründen muss ich da leider passen. Vor allem wegen
der Suchtgefahr. Und Beat'em'ups und Rennspiele sind so weit
ausgelutscht für mich.
- Da wäre dann Uncharted 3 und L.A. Noire, das für mich wegen der
reiferen Aufmachung vielversprechend wirkte. Die Titel versprechen
eigentlich nicht zu viel. Uncharted fängt, abgesehen von ersten
Schlägereien und Verfolgungsjagden, wie ein Tomb Raider an mit langen
Strecken zum Erforschen und Kletter-Rätseln. Doch dann tauchten immer
wieder und immer mehr Busse mit schießwütigen Agenten auf. Ich, an
2D-Steuerungen ohne Joystick noch gewohnt, bin da schon überfordert und
treffe nicht mal einen Agenten auf 2-5 Meter Entfernung im freien
Schussfeld vor mir.
Das frustriert dann natürlich. Ansonsten gebe ich dem Spiel trotzdem
eine 2. L.A. Noire ist wie ein GTA; mit einer Steuerung, die ich nicht
für meine Gewohnheiten umstellen kann. Es ist beim Autofahren und der
Joystik-Einstellung, als müsste ich einen Aufsatz mit links schreiben.
Mit dem Schiessen tue ich mich da sowieso schon schwer.
- Dann kam der nächste langersehnte, vielversprechende Titel ins Haus:
SSX 4. Die Aufmachung ist richtig geil und versprach zunächst viel. Doch
jetzt bin ich schwer enttäuscht, weil sie mir den Freeride-Modus
genommen haben und eine Funktion, um wieder auf die Strecke zu kommen,
ersetzt haben. Was daran so schlimm ist, wenn das Spiel doch sonst viel
Neues bietet? Es ist halt so, dass ich lieber zum Entspannen gezockt
habe, fast nur im Freeride, einfach abschalten, die Piste runter,
Tunnelblick, Schneerausch, hier und da was Einsammeln oder am Rande mal
ein Rennen. Es war so, als wenn ich jederzeit im Freibad ein leeres
Becken zum Relaxen für mich hatte und die Seele baumeln lassen konnte.
Doch jetzt ist jedes Becken nur für Rennen und Meisterschaften offen,
kein Nichtschwimmerbecken mehr für mich, um wenigstens vorher gründlich
zu trainieren.
Das ist der Punkt, den viele Spieleentwickler heute vernachlässigen: wenn
ich von vornherein in einem Rennen (oder Verfolgungsjagd), sei es auch
nur in einem einzelnen Areal, Vollgas geben soll, kann ich doch gar
nicht erst mal in Ruhe die ganze Umgebung oder Strecke kennen lernen.
Da werden Spiele technisch so brillant entwickelt, die Studios und
Firmen immer größer und professioneller, und dann kann man das gar nicht
alles inspizieren und im Detail schätzen.
Zudem ist es in SSX4 schwerer und gefährlicher geworden, muss sich
Gadgets und Panzerungen zum Überleben zulegen und generell auf immer
mehr Dinge achten. Spiele werden mir generell irgendwie zu komplex.
Schon in MGS3 merkte ich: wenn ein Spiel zu realistisch in den
Anforderungen wird, macht es keinen Spaß mehr (MGS3 habe ich daher schon
im 1. Level aufgegeben. Es reichte mir schon, dass man sich in MGS2 um
die "Abfallbeseitigung" von Soldaten kümmern muss).
Ich begriff an dieser Stelle, dass ich in einem Zwiespalt stecke.
Einerseits habe ich Spielgewohnheiten hinsichtlich der Tastenbelegungen
und Controller (z.B. Pfeiltasten statt Joystick, Autozielmodus, 2D) aus
den 90ern eingebrannt, andererseits haben sich meine Ansprüche und
Geschmäcker so weit geändert, dass ich Spiele für Ü30-Spieler suche.
Glaubt ihr, es gibt noch ein Spiel, das mich begeistern kann? Hat jemand
Ideen? Gibt es irgendwen, dem es ähnlich geht? Dann bitte Hand hoch! Es
wäre beruhigend, wenn ich nicht der einzige "Abtrünnige" bin. Wenn
nicht, glaube ich schon neue Hobbies gefunden zu haben. :-)
Ich bin derzeit auch froh, wieder in der Gesellschaft zu weilen nach den
6 Jahren Isolation im Ruhrgebiet. Ich hatte aus wirtschaftlicher Sicht alles, was man braucht: ein Gehalt, das sehr weit über dem Durschnitt lag, einen noblen Schlitten, eine feine Wohnung in (zu) ruhiger Lage, einen unbefrsiteten Arbeitsvertrag mit stabiler Position, die ich bis zur Rente vermutlich behalten hätte. Leider aber auch keinen Ausblick auf Abwechslung, neuen Erfahrungen, privater Integration und nichts, worauf ich sonst auf zunehmende Fließbandansprüche zurückblicken konnte.
Ein neues Kapitel ist nun aufgeschlagen und ich stecke nach gut einem Jahrzehnt als Arbeiter nun im Universitätsalltag - in der Hoffnung, mehr berufliche Perspektiven zu erlangen, meinen Idealen zum Umweltschutz nachjagen zu können, mich mehr unter gleichgesinnten, jungen Menschen integrieren zu können und mich persönlich und qualifikationstechnisch bereichnern zu können. Es befriedigt zum einen ein inneres, menschliches
Bedürfnis. Doch zugleich ist das Bedürfnis nach sozialer Distanz, gerade heute,
wieder mal zu berechtigt (hach ja, die zwei Seiten in mir).
Ich muss hier echt gerade mal den Wutuser spielen und Frust auf unsere
Gesellschaft ablassen. Unsere Kultur erscheint mir im internationalen
Vergleich ...so im Mittelfeld. Im Vergleich zur japanischen Kultur, wie
ich glaube, sehr primitiv und geistig weit unterlegen. Nach einem
semiwissenschaftlichen Magazin sollen Japaner das intelligenteste Volk
sein. Auch die Fähigkeit sich in vielerlei Hinsicht unterzuordnen, sich
zu disziplinieren und zu konzentrieren ist dort bemerkenswert.
Disziplin ist etwas, was mir seit Studienbeginn durch den Kopf geht. Ich
erkenne den Stellenwert dieser Disziplin oft im Alltag. Ebenso oft auch
das Fehlen dieser. Spricht man sich für solche Werte aus, wird man auch
noch verspottet (diese Reaktion ist bei bestimmten Menschen schon
berechenbar). Die meisten scheinen nicht mal in der Lage zu sein, sich
länger als eine Stunde auf etwas zu konzentrieren. Ich gebe zu, dass es
mir bei komplexer Thematik auch ab einer Stunde schwer fällt. Dennoch
bleibe ich leise und versuche immer noch so viel zu verstehen, wie es
geht. Es ist katastrophal, wie lange am Stück eine Vorlesung mit lauten
Witzen und Gesprächen von manchen Leuten gestört werden kann. Und die
Bitte nach Rücksicht voll ignoriert wird.
Nicht nur auf diese speziellen Alltagssituationen kann ich diesen
vermutlich generationsbedingten Disziplinmangel beziehen. Es fängt für
mich schon da an, wenn eine Trulla in der Straßenbahn nicht eine einzige
Minute bis zum Aussteigen mit dem Anzünden ihrer Zigarette warten kann.
Schon in solchen Kleinigkeiten zeigt sich das Fehlen von Disziplin.
Oder da, mit der Herde bei Rot über die Ampel zu latschen (stört mich ja
nicht, aber da fehlt mir der psychologische Mechanismus im Zusammenhang
mit der Bedeutung von Disziplin auf). Oder erst mal Leute aus der
Straßenbahn aussteigen lassen, bevor man selber einsteigt, wie wäre das?
Die Regel kennt kaum einer mehr. > Das < hier kommt wahrscheinlich auch nicht aus Deutschland. Wir wären zu doof dafür^^.
Keiner denkt mehr über sein Handeln mit und überlässt jede
Eigenverantwortung irgendwelchen Stadtplanern, Behörden und Politikern.
In der Hinsicht sind wir so träge wie die Menschen in dem Film Wall-E.
Darum sehen wir auch nicht ein, selber auf unnötig massiven Konsum und
Wohlstand zu verzichten, obwohl wir uns über die vielen Weltprobleme
beklagen, die ja eine Folge unserer Lebensweise sind. Auch hier könnte ich Kurven zu anderen Themen schlagen. ...
Sei es, wie es sei. Hin und wieder tun Menschen auch mir ganz gut, aber auf Dauer machen sie mich wahnsinnig! Selbst das alleinige Lernen klappt insgesamt, bis auf ein paar
Ausnahmen, bei mir grundsätzlich besser als mit anderen. Da entstehen
mehr Ehrgeiz, weniger Ablenkung und die Angst, stofflich den Anschluss
zu verlieren - in der Gruppe zieht mich bislang immer die schlechtere
Lernmoral runter. Und obwohl ich alleine lerne (oder gerade deshalb) bin
ich stofflich meistens weiter als andere in meinen Gruppen und
Veranstaltungen.
Anmerkung:
Verzeiht, wenn ich wieder mal so überstreng klinge. Mittwochs ist es in
meinem Alltag am schlimmsten. Da muss ich in Mathe stundenlang
respektlose junge Menschen ertragen, die nur Schei** labern und
massivst meinen Erfolg behindern (und auch den Anderer). Das macht mich
total aggressiv. Nicht nur mich, auch unseren Matheprof, der letztens
mal das Mikro weglegte und abbrechen wollte. Darum musste ich mich jetzt
mal im Tagebuch auslassen.
Wie soll ich Respekt vor Mitarbeitern haben, wenn Frauen auf der Arbeit
rumhuren, Männer nichts besser sind und es so dumme Arbeiter gibt, dass
sie sich beinahe täglich beim Pupsen in die Hose kacken oder es nicht
ohne Anleitung schaffen, einen Lackiereranzug anzuziehen (keine
Übertreibung, Extremfälle zwar, aber wahre Tatsachen)?
Wie soll ich Respekt vor der Kirche haben, wenn viele der Pastoren Pädophile sind?
Wie soll ich Respekt vor amtlichen Autoritäten haben, wenn diese ihren
Job nicht mal richtig verstehen und auch nur triebhafte Menschen wie
alle anderen sind?
Wie soll ich Respekt vor den Lenkern der Wirtschaft haben, wenn es bei
den meisten um nichts anderes geht als nur die eigenen Taschen
vollmachen - ohne Rücksicht auf das Volk, Staat, Wirtschaft oder
irgendwen?
Wie soll ich Respekt vor Professoren haben, wenn sie sich mit Beischlaf bestechen lassen?
Wie soll ich Respekt vor Abiturienten haben, wenn in scheinbar nicht
wenigen Gymnasien ein Notenschnitt von 4 keine Seltenheit ist* und ich
viele erleben durfte, die sich auch privat in Reife nicht von typischen
Hauptschülern unterscheiden?
(*wie mir aus verschiedenen Seiten dieser Region
zugetragen wurde. Mit solchen Noten habe ich es damals nicht mal auf
Realschule gebracht!)
Wie soll ich Respekt vor Verkehrsteilnehmern haben, wenn gut drei
Viertel gleich mehrere grobe Gebote und Vorschriften alltäglich
missachtet?
Wie soll ich Respekt vor Prominenten haben, wenn sie durch solche
Katzenberger im Durchschnitt immer dümmer und talentloser werden?
Wie soll ich Respekt vor Frauen haben, wenn jedes moralische Gerede über
Tugend, ihre angebliche Unschuld und Anstandsnormen nichts weiter als
eine Farce ihrer Eitelkeit ist und dahinter ihr Emanzipationsgrad nicht
selten dadurch erreicht wird, in dem sie in Sachen Hurerei
(euphemistischer: Hedonismus) dem Mann nahe kommen will?
Wie soll ich Respekt vor Männern haben, wenn ihr Wertgefühl von der Zahl
der flachgelegten Frauen abhängt und Verständnis und Toleranz
automatisch weicht, wenn die Belustigung auf Kosten Schwächerer den
Zusammenhalt oder ihren Geltungsdrang stärkt? (Wieso wird eigentlich nicht anhand der positiven Werte Anpassung oder Ausgleich erreicht?)
Wie soll ich Respekt vor dem Menschen an sich haben, wenn er täglich den
Planeten überbevölkert und mit einem dekadenten Lebensstandart die
Umwelt zerstört in einem Ausmaß, das keiner realisieren möchte? (alle zwei Sekunden wird eine Waldfläche in der Größe
eines Fußballfeldes abgeholzt, was mehr für den Treibhauseffekt ausmacht
als alle Autos, Schiffe und Züge zusammen).
Ohne jeglichen Respekt für sein menschliches Umfeld oder gar Autoritäten lebt es sich sehr gleichgültig.
So gleichgültig, dass man selber keine Grenzen mehr kennt. Was mich
dabei überrascht ist, dass man in der urbanisierten, komplexen und
vielschichtigen Welt des Westens, in der jeder Mensch anonym und
unabhängig von jeder zusammenhaltenden Gemeinschaft lebt, damit
durchkommt! Ich glaubte mal an Weisheiten wie "Man kriegt zurück, was
man gibt", "Sei gut zu den Menschen und sie werden gut zu dir sein",
"Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück", usw. - Blödsinn, schon
auf der Arbeit merkte ich, dass die verbreitete Selbstgefälligkeit
dieses nicht gebietet.
In den letzten Monaten konnte ich, ohne mich mühsam verstellen zu
müssen, ohne irgend eine Spur von Gewissen oder Konsequenzen Arschloch
sein; schwarz fahren, im Halteverbot parken, wenn mir jemand nicht
passte beleidigend und streng sein, gleich zwei Getränkekisten im
Supermarkt stehlen, mich mit dreisten und rücksichtslosen Menschen
skrupellos anlegen, unfreundlich und ruppig durch den Alltag gehen wie
die Spielikone Kratos oder ein bissiger Hund. Und ich hatte jeden Tag
das Gefühl, dass die Menschen das verdient haben. Ich passe mich sogar
an!
Viele wünschen sich so zu sein, um nicht unterzugehen, aber so schön ist
es dennoch nicht. Denn welchen Sinn soll das Leben noch haben, wenn
alles so sinnlos und gleichgültig ist? Wofür soll man leben und woran
noch glauben? Es gibt nichts mehr, woran ich glauben und hoffen kann,
weil ich von meinem einst größten Vorbild, das ich am meisten
bewunderte, gezeigt bekam, dass man sich selbst am nächsten steht und
dafür sogar angeblich beste Freunde verletzt und zum Narren halten darf -
zumindest sagte mal jemand, dass nur Frauen das Recht zum Lügen haben.
Der Glaube ist deshalb wohl zurecht der einzige Ausweg. Schön, wer ihn
hat.
P.S.: Die Einzelpunkte im ersten Absatz sollen nicht verallgemeinern, weshalb hinter jedem Komma ein "wenn" steht ;-).
"...aber momentan fühle ich mich inmitten dieser hektisch rumwuselnden Menschenmassen äußerst unwohl. ..."
Das muss ich den Menschen als Beweis dafür zeigen, dass ich nicht
verrückt und alleine bin, Menschen, die sich nicht trauen, unsere
Gesellschaft negativ zu sehen. Immer wieder vergleiche ich etwas in
unserer Welt mit dem Film Momo.
Mich stören derzeit noch weitaus mehr Dinge an unserer Kultur.
- Die Überbevölkerung, die mancheiner nicht wahrhaben will.
- Die individuelle Übermotorisierung, die den stetig weiteren Ausbau von
Autobahnen und anderen Verkehrsnetzen zwingend erforderlich macht und
schon derzeit einen großen Teil an Staus und dichten Straßen verursacht.
- Die steigende Flexibilität und Mobilität, die von geistig Blinden als
Vorteil und Fortschritt verkauft wird, obwohl es Rückschritt und
Schwäche ist. Privat und beruflich soll man regional immer flexibler
sein, was ein teueres Auto, teuren und endlichen Sprit und Platz
erfordert. Aber auch das Begeben in den dicken Verkehr, der mich wegen
der Übermacht an dummen oder aggressiven Fahrern manchmal den letzten
Nerv raubt und bei Wintereinbruch die wahre Schwäche unserer Lebensform
erst klar verdeutlicht.
Jetzt ist mal richtig Winter und vieles liegt lahm. Da zeigt sich erst
unsere Abhängigkeit von all diesem "Fortschritt". Fällt ein Pfeiler
unseres Lebensstandards aus (egal ob Strom, Internet, Verkehr, etc.),
sind wir schon völlig aufgeschmissen. Wenn sich das heute so zuspitzt
wie letzte Woche mit 40 Km Stau auf der A1, dann kann ich Weihnachten in
meiner 40m²-Wohnung in dieser fernen Abgelegenheit alleine feiern. Ich
muss ja Sonntag wieder zurück sein.
Es gab mal eine Zeit, in der diese Mobilität und multimediale
Fernkommunikation schlicht und einfach nicht notwendig war. Da musste
man nicht mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen, weil man nämlich
einen neuen Job noch irgendwo um der Ecke in der nächsten Straße finden
konnte. Da musste man nicht zum Einkaufen in die nächste größere Stadt
oder Shopping-Zentrum fahren, wie in den USA vorgemacht wurde (deswegen
ist mein Heimatdorf und viele andere Kleinstädte von den ganzen
leergefegten und verbarrikadierten Geschäften betroffen, die alle ins
Zentrum abwanderten). Diese damalige Autarkie ist für mich immer ein
Vorteil gewesen.
Alles Nötige zum Leben vor Ort und mit dem Fahrrad erreichbar. Kein
hektischer Verkehr, in dem sich die Menschen am liebsten gegenseitig
umbringen würden. Die Genervtheit wird doch immer schlimmer und fährt
man schon bei Glätte am Limit kurz vor dem Ausbrechen des Hecks, kommt
von hinten ein Kollege, der drängelt, bei nächster Gelegenheit überholt
und den Motor dabei gezielt so laut aufdreht, als wolle er mit dem Lärm
des Motorblocks deine Scheiben einschmettern.
Wir leben uns durch diese Zentralisierung, flexiblen Motorisierung und
Überbevölkerung immer weiter auseinander, jeder lebt in der Masse und
Wohlstand zunehmend isolierter, anonymer, ohne tieferen Bezug zu seinem
sozialen Umfeld - ohne Empathie und Zusammenhalt. Alles nur
oberflächlich. Gerade im Verkehr - unser Auto als zweites Zuhause -
ist die Anonymität deutlich. Man sieht und spricht nur von "dem da
vorne", bildet Klischees nach Autotyp und Fahrweise und kann nicht
miteinander kommunizieren, was manchmal notwendig wäre, um Konflikte als
eventuelle Unabsichtlichkeit zu klären oder ein Ventil zu haben, wenn
jemand von hinten drängelt (als Vordermann kann man sich dagegen ja
nicht wehren). Die Mitmenschen in unserer "zivilisierten" Welt sind nur
mehr Hindernisse und Rivalen, die uns alle stören.Typisch dafür:
Auf dem Weg mit dem Auto zum Dortmunder Weihnachtsmarkt am Samstag-Abend erlebt man den blanken Nervenkrieg mit Genervtheit und Aggressionspotential beim Kampf um einen Platz in einer Tiefgarage. Aber dann auf dem Markt sind die selben Menschen auf mal in Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, als hätten sie einen Schalter, den sie für ihre Stimmung und Gesinnung von "kurz vor dem Amoklauf und alle Verfluchen-Modus" auf "Liebe deinen Nächsten-Modus" umlegen können. Wenn sie das wirklich können, kann man sie dafür womöglich loben und respektieren. Ich für meinen Teil gehe da lieber meinen eigenen Weg mit weniger Widerständen, die einem die Weihnachtszeit vermiesen können.
Übrigens: Zu der Widersprüchlichkeit von dem, was man hier als
"Fortschritt" bezeichnet, habe ich innerhalb des letzten Jahres eine
kluge Essay gelesen. Ich weiß nur nicht mehr, wo ich sie finde. Wenn ich
sie wiederfinde, bringe ich die auch noch hier rein.
Wir hatten "schon" um kurz nach Fünf Feierabend. Als ich nach draußen
kam, war es bereits hell und der Tag brach an. Der eiserne Strom zog
sich bereits durch die Adern des Verkehrsnetzes Richtung Tagesbeginn. Und ich dem Strom entgegen Richtung Tagesende – ein komisches Gefühl. Ich
hatte alles andere als das Verlangen nun schlafen zu gehen. Nach so
vielen Jahren als "Vamp" fehlte mir der Morgen, egal wie dreckig mir der
verstädterte Morgen sonst erscheinen mag.
Nach dem ich mein Auto beim Autohaus wie vereinbart abgestellt hatte, nahm ich, so
erschöpft ich von der erstmals wieder so langen Nacht auch war, das
ganze optimistisch. Dunstschwaden ruhten auf feuchtfrischen Wiesen, die
Wolken wichen den Sonnenstrahlen, die Luft geschwängert vom Duft
frischer Brote und Brötchen, der Tau frischte den Grünspan an der Leitplanke
und durchdrang den unter ihr liegenden Müll… alles in allem sehr
wohltuend, nach so langer Zeit Zeuge eines gebärenden Tages zu sein. Ich
vermisse das normale Leben zuweilen. So muss es wohl einem echten Vamp
ergehen.